Nachgefragt Wirtschaft

Finanzwissen: mehr über Geld lernen

Hans Joachim Reinke, Vorstandsorsiteznder von Union Investment, hält Finanzbildung für ein zentrales Thema.

 

Das Wissen um Finanzbildung beschäftigt Union Investment intensiv, in regelmäßigen Studienund zuletzt in einer Konferenz. Wir fragten nach den Motiven und Erkenntsnissen.Herr Reinke, wieso rücken Sie das Thema Finanzbildung in den Fokus?

Die Auswirkungen falscher Entscheidungen beim Sparen oder beim Konsum sind enorm. Sieben Millionen Menschen gelten laut Creditreform als überschuldet, gleichzeitig erleiden deutsche Sparer Ertragseinbußen in Milliardenhöhe, weil sie ihr Geld überwiegend zinsbasiert anlegen. Wir sind uns sicher, dass bessere ökonomische Grundbildung die Menschen mittel- und langfristig vor finanziellen Schäden bewahren könnte. Derzeit wird die Relevanz von Finanzbildung übersehen und kostet am Ende viel Geld – Geld das der Gesellschaft dann an anderen Stellen fehlt, z. B. für Altersvorsorge, Pflege und Gesundheit.

Wie sind Sie das Thema angegangen?

Wir haben uns zuerst mit einer Studie einen Überblick über den Ist-Zustand verschafft. Ergebnis: Es besteht Handlungsbedarf. Und so haben wir uns anschließend mit dem ‚wie‘ auseinandergesetzt. Also: Wie kann man das Wissen beim Thema Finanzen verbessern? Welche Lösungsansätze gibt es? Welche Form des Dialogs oder der Diskussion mit den gesellschaftlichen Gruppen bringt uns weiter? Ende des vergangenen Jahres haben wir daher einen Workshop mit Experten durchgeführt. Sie diskutierten in diesem Rahmen viele Ideen. Auch wenn das Thema sehr komplex ist und viele Facetten hat, konnten zahlreiche Lösungsansätze angedacht und weiterentwickelt werden.

Wie ging es weiter?

Als weiteren Schritt hat im Mai in Berlin eine große Konferenz unter der Überschrift „Finanzbildung – im Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ stattgefunden. In informativen Gesprächsrunden waren Experten auf der Suche nach Antworten auf Fragen wie: Wer sollte bei der Vermittlung von Finanzwissen die Verantwortung haben und auch wahrnehmen? Braucht es ein eigenes Schulfach oder reichen bestehende Lehrpläne?

Welche Erkenntnisse gab es bei der Konferenz?

Unsere Referenten haben wichtige Punkte angesprochen und durchaus auch kontrovers diskutiert. Es war ein spannender Tag mit vielen Denkanstößen. In seiner Keynote betonte zum Beispiel Peer Steinbrück, Bundesfinanzminister a. D., die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Er hält es für ein zentrales Problem, dass das Wissen über wirtschaftliche und finanzielle Zusammenhänge in Deutschland unterentwickelt ist, wies aber darauf hin, dass der Staat die Möglichkeit habe, über Veränderungen beim Bildungssystem dafür sorgen, dass durch mehr Wissen die Entscheidungsfähigkeit des Einzelnen gestärkt wird.

Wie lautet Ihr Fazit nach der Finanzbildungskonferenz?

Wir haben unser Ziel, einen übergreifenden Austausch zu ermöglichen und für mehr Transparenz auf diesem Themenfeld zu sorgen auf jeden Fall erreicht. Mitnehmen können wir – und vor allem auch unsere rund 120 Konferenzteilnehmer – viele Denkanstöße und Ideen. Aktuell prüfen wir, wie wir das Thema auch zukünftig weiter voranbringen.