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Agravis kündigt stärkeren Fokus auf Bio-Landwirtschaft an

Agravis Blühstreifen Bio-Landwirtschaft
Blühstreifen am Ackerrand sind wichtig, denn sie bieten Insekten nahrung und Wildtieren Unterschlupf. Foto: Pixabay

Die lang anhaltende Trockenheit im vergangenen Jahr hat auch das Geschäft der Agravis Raiffeisen AG im Jahr 2018 massiv beeinflusst. Für das laufende Jahr kündigte die Genossenschaft an, die Bio-Landwirtschaft mit einer eigenen Strategie besser unterstützen zu wollen.

Trockenheit beeinflusst den Agrarhandel

Die Ernteergebnisse waren im vergangenen Sommer regional teilweise unterdurchschnittlich, teilweise sogar katastrophal. Und das spürt die Agravis auch heute noch, wie Finanzvorstand Johannes Schulte-Althoff bei der Bilanz-Pressekonferenz des Konzerns in Münster bestätigt. „Die extreme Trockenheit hat die Landwirtschaft vor große Herausforderungen gestellt und damit natürlich auch den Agrarhandel maßgeblich beeinflusst. Wir gehen davon aus, dass uns durch das Wetter rund 40 Millionen Euro Ergebnis vor Steuern in 2018 und 2019 fehlen werden.“

Vor diesem Hintergrund zog Schulte-Althoff dennoch eine zufriedenstellende Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr: „Wir haben von unserem breiten Portfolio mit den unterschiedlichen Geschäftsbereichen profitiert. Nur so konnten wir die schwierigen Bedingungen in einigen Geschäftssegmenten und Regionen ausgleichen. Unter dem Strich – und gerade auch beim Blick auf den immer intensiver werdenden Wettbewerb – sind wir deshalb mit einem Umsatz von 6,6 Milliarden Euro und einem Ergebnis vor Steuern von 30,4 Millionen Euro sehr zufrieden“, machte der Finanzvorstand deutlich. „Wir haben dem Wetter getrotzt. Agravis bleibt trotz der Trockenheit auf Wachstumskurs.“

Schnelle Lösungen für die Landwirte

Die geschäftlichen Kennzahlen unterstreichen die Leistungsfähigkeit der Agravis-Gruppe. Beim Umsatz gelang ein Plus von 2,2 Prozent, beim Ergebnis vor Steuern ein Plus von 20,2 Prozent und auch das operative EBIT lag mit 81 Millionen Euro nochmals rund 9,4 Prozent höher als 2017. „Hier haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen guten Job gemacht. Wir haben proaktiv auf die Trockenheit reagiert und der Landwirtschaft – vor allem den Veredlungs- und Milchviehbetrieben – schnell Lösungen angeboten. Das hat dafür gesorgt, dass wir Marktanteile gewinnen und im operativen Geschäft noch zulegen konnten“, betont Schulte-Althoff. „Dennoch: Im Agrarhandel und Pflanzenbau mussten wir aufgrund der Trockenheit Umsatzrückgänge hinnehmen, in den anderen Segmenten konnten wir aber zulegen.“ Das Ergebnis vor Steuern von 30,4 Millionen Euro macht es möglich, der Hauptversammlung im Mai eine Dividende von 1,02 Euro je Aktie bzw. vier Prozent auf den Nominalwert der Aktie vorzuschlagen.

Für das laufende Jahr hat sich die Agravis viel vorgenommen. Unter anderem kündigte die Genossenschaft den Einstieg in den Bio-Markt an. „Wir haben das Segment in den vergangenen Monaten sehr genau analysiert und erkannt, dass sich hier ein eigenes, starkes Marktsegment in der Landwirtschaft entwickeln wird. Deshalb planen wir, unsere Angebote für die Bio-Landwirtschaft künftig in einer eigenen Gesellschaft zu bündeln“, erläutert Maria-Johanna Schaecher, Mitglied des Agravis-Vorstandes. Agravis wolle, so Schaecher, für diese Betriebe mit einer starken Beratung, einer hohen Vermarktungssicherheit sowie einem guten Produkt- und Dienstleistungsangebot in Kooperation mit den Raiffeisen-Genossenschaften der Ansprechpartner Nummer eins werden.

Wachsende Biokompetenz

Die Biokompetenz im Unternehmen wachse seit Jahren. So gehört bereits die die gemeinsame Bio-Futtermittelproduktion mit der Raiffeisen Hohe Mark Hamaland eG (BioMühle Hamaland) und die Bio-Futterproduktion in Malchin, an der die v-Gruppe über die Ceravis AG beteiligt ist. Zudem bietet die Gruppe ein umfangreiches Programm an Betriebsmitteln für die Bio-Landwirtschaft an und erfasst und vermarktet – vor allem in den ostdeutschen Bundesländern und in Niedersachsen – Bio-Getreide. „Insgesamt haben wir während und nach der Ernte 2018 über 12.000 Tonnen Bio-Getreide aufgenommen. Deshalb haben wir am Standort in Halle-Trotha auch eine vollständig auf ökologisches Getreide ausgerichtete Erfassung aufgebaut“, berichtet Schaecher. Spätestens nach dem Sommer werde Agravis interessierten Marktpartnern ein konkretes Leistungspaket vorstellen.