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Andracks genossenschaftliche Abenteuer, Teil 3: Eine neue Bank ist wie ein neues Leben

Ausgewürfelt: Die VR-Bank WEsterwald überzeugte Manuel Andrack davon, sein Konto zu wechseln. Foto: Juliane Herrmann

Die Raiffeisentour 2018 hat in gewisser Weise mein Leben verändert. Zum Beispiel habe ich die Bank gewechselt. An dieser Stelle möchte ich kurz erzählen, wie es dazu kam.Ich besuchte in diesem Jahr die Filiale der Westerwaldbank in Bad Marienberg. Auf den ersten Blick eine ganz normale Bankfiliale des genossenschaftlichen Bankenverbunds. Auf den zweiten Blick ein wohldurchdachtes Experimentallabor. Denn im Westerwald glaubt man nicht an die Weltuntergangs-Apologeten, die das Ende der filialgestützten Bank als Folge der durchschlagenden Digitalisierung sehen. Oh nein, im Westerwald, der Heimat des Genossenschaftsgründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen, glaubt man an die Zukunft des Prinzips „Bankgeschäfte von Angesicht zu Angesicht“. In Bad Marienberg wird soziologisch und psychologisch erforscht, wie verschiedene Kunden auf individuelle Ansprachen reagieren. Dabei kommuniziert nicht nur der Bankangestellte, sondern auch die Räumlichkeit – heimische Baumarten vermitteln den regionalen Anspruch der Bank, große Flat-Screens zeigen Motive, die den Kunden individuell ansprechen sollen. Das frisch vermählte Paar wird noch einmal an seine Hochzeit erinnert, der begeisterte Hobby-Radler wird mit einem raumfüllenden Bild von der Tour de France begrüsst. Ich bin schwer beeindruckt.

Stunde der Wahrheit im Westerwald

Aber zum Ende meines Rundgangs durch die Filiale kommt die Stunde der Wahrheit. Die Bankverantwortlichen drücken mir einen großen Würfel in die Hand, der über die Bank meiner Zukunft entscheiden soll. Ich bin sehr aufgeregt und denke an meinen Besuch in der Herzkammer der Raiffeisenbanken, die Akademie der Genossenschaften in Montabaur. Dort hatte ich mit einigen jungen Volksbank-Mitarbeitern ein kurzes Raiffeisen-Quiz gemacht. Um es kurz zu machen: Das Ergebnis war äußerst ernüchternd, die Ahnungslosigkeit über Leben und Wirken des Genossenschafts-gründers war nicht zu übersehen.

Werner Böhnke, der damalige Vorsitzende der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft hielt den jungen Genossenschaftlern eine Gardinenpredigt. Tenor: Jedem Mitarbeiter einer genossenschaftlichen Bank müssten die genossenschaftlichen Grundwerte bewusst sein – und auch der Kunde müsse stets wissen, dass er an erster Stelle stehe. Aber ist das nicht eine Selbstverständlichkeit? Oh nein, denn Böhnke erinnerte daran, dass bei den großen Mitbewerbern im Bankengeschäft der Aktionär und die Investment-Banker an erster Stelle stünden. Und irgendwann danach käme der Kunde.

Shareholder oder Stakeholder?

Obwohl ich nicht der eigentliche Adressat von Böhnkes Ansprache war, öffnete mir seine Rede die Augen. War ich nicht auch seit Jahren Kunde einer großen Bank, die ihren Aktionären verpflichtet war? Sollte ich weiterhin das Prinzip Shareholder unterstützen oder käme nicht das Prinzip Stakeholder meinen Interessen weit mehr entgegen? Diese Fragen schossen mir auch durch den Kopf, als ich mit dem Würfel in der Hand in Bad Marienberg stand.

Ich dachte in diesem Moment auch an meine kleine Straßenumfrage vor der Raiffeisenbank im oldenburgischen Oldenburg. Ich hatte ganz normale Bankkunden nach ihrer Zufriedenheit gefragt. „Weiter so!“ hörte ich. „Ich möchte keine andere Bank haben“ und „ich bin sehr zufrieden“ waren weitere Aussagen. Einige der Befragten waren selbstverständlich auch Mitglieder „ihrer“ Bank. „Das gefällt mir, sonst würde ich es nicht machen“, sagte eine Kundin. Sehr schön fand ich das Statement eines anderen Kunden: „Die Türklinke der Bank gehört schon mir“. Nun ja, genau genommen verfügte die Raiffeisenbank in Oldenburg über eine elektronische Schiebetür, aber es war ja klar, was der gute Mann meinte.

Zurück zu meinem Würfel in Bad Marienberg. Ich hatte mich entschieden, die Würfel waren gefallen, das VR-Logo der Volks- und Raiffeisenbanken war obenauf. Seit dem Sommer habe ich meine Bank gewechselt und bin nun Kunde (und Mitglied!) bei der Vereinigten Volksbank eG Saarlouis – Sulzbach/Saar. Und das ist auch gut so!

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