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R+V-Angstindex auf Tiefststand

Angstindex
Die Politik des Us-Präsidenten bereitet den deutschen die größten Sorgen. Foto: Pixabay

Anders als man vielleicht erwartet hätte, geben sich die Deutschen angesichts der Coronakrise gelassen. Der Gesamtindex, der aus der Befragung „Ängste der Deutschen“ der R+V Versicherung errechnet wird, hat mit 37 Zählern den niedrigsten Wert seit Beginn der Befragung im Jahr 1992 erreicht. „Der Angstindex steigt üblicherweise, wenn die Menschen das Gefühl haben, vor scheinbar unlösbaren Problemen zu stehen“, kommentiert Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V Infocenters. So war der Indexwert zuletzt 2016 angesichts von Terroranschlägen, wachsendem Extremismus und der Flüchtlingskrise auf einen Höchststand geklettert. „Was die Coronakrise betrifft, scheinen die Menschen zu meinen, wir schaffen das schon“, sagt Römstedt.

Sorge vor Politik Trumps

Am meisten beunruhigt die Befragten hingegen das weltweite politische Geschehen. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer befürchtet eine „gefährlichere Welt durch die Trump-Politik“. Das sei berechtigt, kommentiert Manfred G. Schmidt, Politikwissenschaftler der Universität Heidelberg, der die Auswertung der Studie seit Anbeginn begleitet. Innenpolitische Sorgen – in den vergangenen Jahren immer auf den Spitzenplätzen – haben dagegen an Bedeutung verloren. Die Besorgnis, dass Politiker mit ihren Aufgaben überfordert sind, ist stark gesunken, beobachtet Schmidt. „Die Bevölkerung ist anscheinend einigermaßen zufrieden mit der Bewältigung der Coronakrise.“

Dennoch hat die Angst vor einer schlechteren wirtschaftlichen Lage deutlich zugenommen. Die Sorge, dass die Arbeitslosenzahlen steigen könnten, ist um 12 Punkte in die Höhe gegangen. „Diese Angst ist sehr realistisch und bestätigt, dass die Befragten die gesellschaftlichen Grundströmungen sehr deutlich wahrnehmen“, sagt Schmidt. Dennoch befürchtet wie im Vorjahr nur jeder vierte Berufstätige, den eigenen Job zu verlieren. Insgesamt haben die Menschen mehr Angst, dass die Coronapandemie ihren Wohlstand bedroht, als ihre eigene Gesundheit. Insgesamt liegt die Angst vor einen schweren Erkrankung aber weit hinten im Ranking der „Ängste der Deutschen“ – und vor Corona fürchten sich erstaunlicherweise eher jüngere als ältere Menschen.

Regional betrachtet, sind die Bürger im Osten wie im vergangenen Jahr furchtsamer als im Westen. Hier ist auch die Sorge, dass die Behörden mit der großen Zahl der Geflüchteten überfordert sei, mit 59 Prozent besonders hoch. Die coolsten Deutschen leben laut Angstindex derzeit in Nordrhein-Westfalen: „Hier sind die Menschen am entspanntesten“, berichtet Römhild.