Regional Unternehmen

Arbeitsmarkt im Westmünsterland ist robust

Restaurant: Die Zahl der Mitarbeiter ist in der Gastronomie in den vergangenen Monaten wieder gestiegen.

Die Coronakrise ist längst nicht ausgestanden. Gemessen an der Zahl der Arbeitslosen ist die Lage im Westmünsterland im Vergleich gut. Die Arbeitslosenquote ist im Kreis Coesfeld von 2,7 Prozent zum Jahresende 2019 auf 3,5 Prozent Ende August nur leicht gestiegen. Dabei kam es weniger zu coronabedingten Entlassungen, sondern insgesamt sank die Zahl der Neueinstellungen.

„Wer aus einer aktuellen Beschäftigung ausscheidet, weil zum Beispiel ein befristeter Vertrag ausläuft oder eine Aus- oder Weiterbildung abgeschlossen ist, findet aktuell schlechter eine neue Stelle“, erklärt Dr. Christian Schulze Pellengahr, Landrat des Kreises Coesfeld.

Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen deutlich gestiegen

Zwar hat sich auch im Kreis Borken die Zahl der Arbeitslosen auf 9.627 Männer und Frauen erhöht, die Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent ist nach wie vor niedrig. „Besorgniserregend ist, dass die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders deutlich gestiegen ist“, sagt Dr. Kai Zwicker, Landrat des Kreises Borken. Im Juli waren insgesamt 1.199 der unter 25-Jährigen arbeitslos gemeldet. Das sind 313 mehr als im Juli 2019.

Kurzarbeit mildert Folgen der Pandemie für den Arbeitsmarkt ab. Im Kreis Coesfeld hatten Ende Juli 2.080 Unternehmen Kurzarbeit für 30.750 Beschäftigte beantragt. Das sind rund 40 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis. „Die tatsächliche Inanspruchnahme ist glücklicherweise weit geringer. Viele Unternehmen haben zur Sicherheit für die Belegschaften Kurzarbeit angezeigt, mussten diese aber nicht oder nur zum Teil tatsächlich in Anspruch nehmen“, sagt Landrat Schulze Pellengahr. Im Kreis Borken haben nach Angaben des Kreises fast 4.000 Unternehmen Kurzarbeit beantragt.

Im Vergleich zu anderen Regionen geht es dem Westmünsterland gut. So sind zum Beispiel die Industrieumsätze im Kreis Coesfeld laut Statistischem Landesamt Nordrhein-Westfalen im ersten Halbjahr nur um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das liegt weit unter dem Rückgang von 14,2 Prozent im Landesdurchschnitt.

Export leider stark unter der Pandemie

Während die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland im weltweiten Vergleich niedrig ist, melden viele Länder Höchstwerte. „Unsere international ausgerichteten Unternehmen leiden nach wie vor darunter, dass das Coronavirus in vielen wichtigen Zielmärkten weit stärker grassiert als in Deutschland“, sagt Schulze Pellengahr. Lieferketten funktionieren wieder besser als zu Beginn der Pandemie, aber immer noch nicht in allen Fällen so wie vorher. „Infolge der weltweiten Krise leidet auch unser Maschinenbau, beispielsweise die Zulieferer für den Automobilbereich oder für die Luftfahrtindustrie“, sagt Zwicker.

Aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Fortgang der Pandemie halten sich viele Menschen mit Neuanschaffungen zurück. Aber auch Unternehmen sind zurückhaltend mit Investitionen. Schließlich hat die Zahl der Aufträge längst noch nicht wieder das Niveau wie vor der Krise erreicht. Doch es gibt auch positive Entwicklungen: „Im Bereich der Digitalisierung haben viele Unternehmen einen großen Sprung gemacht. Ob Veränderungen in der Arbeitsorganisation, digitale Videokonferenzen oder auch digitale Angebote von Unternehmen – hier hat sich einiges getan“, macht Zwicker deutlich.

Diese Entwicklung hätte ohne Corona sicherlich deutlich länger gebraucht. „Da hier aktuell eine Vielzahl passender Förderprogramme zur Verfügung stehen, gehen wir davon aus, dass die Coronakrise durchaus einen Digitalisierungsschub bewirken wird“, sagt Schulze Pellengahr.

Freizeit- und Eventbranche stark betroffen

„Nach wie vor sind es die Branchen in der Freizeit- und Eventwirtschaft, die am stärksten unter den Folgen der Pandemie leiden“, berichtet Schulze Pellengahr. Darüber hinaus ließe sich die Lage oft nicht an gesamten Branchen, sondern an einzelnen Unternehmen und deren Märkten festmachen. In manchen Bereichen sei die Nachfrage wieder hoch oder sogar höher als vor Ausbruch der Pandemie, in anderen Märkten ist sie immer noch gering.

Eine wichtige Hilfe für Unternehmen leisten in den Kreisen Krisenstäbe, die sich aus Vertretern von Unternehmen, der Kommunen, Arbeitsagenturen und anderen gesellschaftlichen Gruppen zusammensetzen. Diese Gremien haben die Aufgabe, Maßnahmen zur Milderung negativer wirtschaftlicher Folgen der Coronakrise zu erarbeiten.

„Der direkte Austausch mit den Unternehmen und Institutionen ist gut und hilfreich, weil man auf diese Weise schnell mitbekommt, wo der Schuh drückt und was die Unternehmen wirklich benötigen“, sagt Zwicker. So hätten die Krisenstäbe bei Förderprogrammen Nachbesserungen erreichen können, betont Schulze Pellengahr: „Wir konnten Lücken in den umfangreichen Hilfsangeboten, die in der Praxis aufgetaucht sind, identifizieren und gezielt an die zuständigen Stellen herantragen. Damit konnten regionale Unterstützungsangebote abgestimmt und passgenauer gestaltet werden.“