Finanzen

Ausstieg aus dem Zinstief

Gerit Vogt ist Senior Economist beim Bundesverband Deutscher Banken. Foto: BVR

Scheinbar losgelöst von der guten konjunkturellen Entwicklung blieben die Inflationsraten in Deutschland und im Euroraum in den vergangenen Jahren unerwartet niedrig. Wichtige Gründe für den schwachen Anstieg der Verbraucherpreise sind der zeitweise Rückgang der Rohölpreise und die zurückhaltende Lohnentwicklung. Auch die Folgen der voranschreitenden Digitalisierung und Globalisierung dürften zur Preismoderation beigetragen haben. Für die nahe Zukunft zeichnet sich aber ein stärkerer Preisauftrieb ab. In Deutschland und im Euroraum wird sich der Konjunkturaufschwung voraussichtlich fortsetzen. Verbunden mit einer zunehmenden Arbeitsmarktauslastung dürfte dies zu einem beschleunigten Anstieg der Verbraucherpreise führen. Auch von den Rohölpreisen wird voraussichtlich eine preissteigernde Wirkung ausgehen, wenn auch nur in moderatem Umfang. Für Deutschland zeichnet sich nach aktuellen Schätzungen des BVR ein Anstieg der Inflationsrate von 1,6 Prozent in 2018 auf 1,8 Prrozent in 2019 ab.

Es ist allerdings auch denkbar, dass die Inflationsraten deutlicher steigen werden als allgemein erwartet. So könnte sich der Grad der Arbeitsmarkt -Unterauslastung im Euroraum schneller auflösen und zu einer höheren Lohn-und damit Preisdynamik führen. Für diesen Fall sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) nicht auf dem falschen Fuß erwischen lassen. Der EZB-Rat hat in seiner jüngsten Sitzung am 14. Juni das Auslaufen des Anleihekaufprogramms zum Jahresende 2018 angekündigt. Nun sollte möglichst bald auch ein Ausstieg aus den historisch niedrigen Leitzinsen vollzogen werden.