Landwirtschaft Wirtschaft

Bauern erwarten durchschnittliche Ernte

07.07.2021, Brandenburg, Nauen: Eine Vase mit Getreideähren von Hafer, Roggen und Weizen stehen auf einem Tisch zur Pressekonferenz über die Ernteprognose 2021. Die Ernteerwartungen der deutschen Landwirte liegen in diesem Jahr beim Getreide mit 45,4 Millionen Tonnen leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Es seien aber 5 Prozent über dem Vorjahresergebnis, sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, am Mittwoch. Die vergangenen drei Jahre waren für die Landwirtschaft zu trocken. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach drei trockenen Jahren in Folge sind die Bauern in Deutschland vorsichtig optimistisch. „Die Getreideernte wird rund fünf Prozent über dem Ergebnis von 2020 liegen“, sagte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, am Mittwoch im brandenburgischen Nauen zum Ernteauftakt. Der Deutsche Bauernverband geht in seiner Prognose von einer Getreideernte in Höhe von rund 45,4 Millionen Tonnen aus. Damit liegen die Erwartungen leicht unter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 (45,6 Millionen Tonnen) und rund fünf Prozent über dem Vorjahresergebnisses (43,2 Millionen Tonnen). 

Wetterextreme belasteten die Landwirtschaft, sagte Rukwied. Es müssten starke Trockenperioden, aber auch starker Regen mit Hagel, dazu auch Frost verkraftet werden. In Teilen Norddeutschlands habe Hitze Schäden in den Beständen verursacht. Auf 66.000 Hektar seien nach letzten Erhebungen bundesweit durch Hagel große Schäden entstanden.

Bauern mit Lächeln im Gesicht

Nach der Hitze in den vergangenen Wochen habe sich die Lage in vielen Regionen nun entspannt, sagte der Bauernpräsident. Mit dem Regen würden die Grundlagen für die gute Entwicklung der Herbst-Kulturen wie Mais, Rüben und Gemüse gelegt. „Die Bauern haben ein Lächeln im Gesicht“, sagte Rukwied. Jetzt gehe es darum, was auf dem Halm stehe, in guter Qualität einzubringen.

Nach drei trockenen Jahren hoffen die Bauern bundesweit auf eine ordentliche Ernte. In dieser Saison mussten Landwirte bereits mit Trockenheit, hohen Temperaturen und dann wieder viel Regen zurechtkommen. Eine Möglichkeit, sich den Wetterextremen zu stellen, sei die Risikostreuung, empfiehlt Frank Ewert, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg bei Berlin. „Wenn Landwirte ihre Fruchtfolgen erweitern, werden sie immer auch Fruchtarten haben, die an Extremsituationen besser angepasst sind als andere“, sagte der Agrarwissenschaftler. Das habe man in den Trockenjahren gesehen: Wintergerste sei beispielsweise von den hohen Temperaturen und dem trockenen Oberboden in einigen Regionen weniger beeinflusst als Winterrogen und -weizen.

„Das Preisniveau ist aber noch nicht so top, wie es sein muss.“

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands

Bei Wintergerste erwartet der Bauernverband trotz eines Flächenrückgangs von 4 Prozent von 2020 zu 2021 auf 1,2 Millionen Hektar ein um 6 Prozent höheren Ertrag von knapp 9,4 Millionen Tonnen. Bei Winterweizen geht die Prognose von 22,8 Millionen Tonnen aus – 5 Prozent mehr als 2020. „Das Preisniveau ist aber noch nicht so top, wie es sein muss“, sagte Präsident Rukwied. Gut beraten seien die Landwirte gewesen, die bereits vor Erntebeginn zu einem guten Preis ihr Getreide verkauft hätten.

„Die Zeiten der Bauernregeln sind endgültig vorbei. Bäuerinnen und Bauern können sich kaum noch auf ihre Erfahrungen verlassen“, sagte Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, zu den Bedingungen für Landwirte. Klimaschutz sei auch Ernährungssicherheit. Wer beispielsweise Moore wieder vernässe und Grünland erhalte, sollte mehr Agrarfördergelder erhalten.

„Das Geld ist bei den Landwirten alle nach den drei Trocken-Jahren.“

Heiko Terno, Vizepräsident des Brandenburger Bauernverbandes

„Das Geld ist bei den Landwirten alle nach den drei Trocken-Jahren“, sagte der Vizepräsident des Brandenburger Bauernverbandes, Heiko Terno. Er beklagte starre Verordnungen unter anderem zum Düngemitteleinsatz. Das behindere unter anderem den Aufbau der wichtigen Humusschicht. „Das Wetter ist nie das Problem für die Landwirtschaft, sondern die Politik.“

Der Agrarwissenschaftler Ewert befürchtet, dass kleine Betriebe das Handtuch werfen: Belastungen durch Wetterextreme, aber auch durch Forderungen nach mehr Natur-, Tier- und Umweltschutz. „Ohne weitere Hilfestellung bei der Neuausrichtung der Landwirtschaft werden diese Ansprüche zu einer strukturellen Überforderung der Landwirte führen“, sagte er. Mittelfristig sei es wichtig, gut darüber nachzudenken, welche pflanzen- und ackerbaulichen Möglichkeiten es gebe.