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Bitcoin: digitales Gold oder Zockerwährung?

Bitcoin
Als Zahlungsmittel eher unüblich: der Bicoin. Foto: Jens Kalaene/dpa

Nach dem Einstieg von Tesla-Chef Elon Musk und dem erneuten Rekordhoch ist die Digitalwährung Bitcoin mal wieder schwer angesagt. An den Finanzmärkten nimmt das Interesse an der Ur-Kryptowährung rasant zu. Gestartet vor gut einer Dekade mit einem Wert von weniger als einem US-Dollar, war ein Bitcoin zuletzt (12.02.2021) gut 47.000 US-Dollar bzw. mehr als 39.000 Euro wert. Im vergangenen Jahr gehörte das „digitale Gold“, wie der Bitcoin mitunter genannt wird, zu den Finanzanlagen mit den stärksten Kursgewinnen. Was sind die Gründe für den Boom – und ist er nachhaltig oder nur eine große Finanzblase?

2020: ein denkwürdiges Jahr für den Bitcoin

2020 war auch für den Bitcoin ein denkwürdiges Jahr. Mit etwa 8.000 Dollar ins Jahr gestartet, gab der Kurs während der ersten Coronawelle im Frühjahr zunächst auf etwa 4.000 Dollar nach. Danach folgte ein Kursanstieg, der seinesgleichen sucht: Bis Ende des Jahres vervierfachte sich der Wert des Bitcoin. Mit einem Kursplus von auf Jahressicht rund 400 Prozent kann kaum eine andere Anlage auf der Welt mithalten.

Gründe für die Kursexplosion gibt es einige. Vor allem geht es aber um den Ruf der ältesten und bekanntesten Digitalwährung: Erdacht während der großen Finanzkrise 2008, haftet dem Bitcoin seit jeher ein zweifelhafter Ruf an. Kritiker monieren, die Digitalwährung könne aufgrund anonymer Zahlungsprozesse leicht für kriminelle Zwecke missbraucht werden. Dazu passt, dass der Bitcoin seit Anbeginn von Finanz- und Betrugsskandalen begleitet wird.

Das Image der Kryptowährung hat sich im vergangenen Jahr jedoch verbessert. Einer Art Ritterschlag kam es gleich, dass der Bezahldienst Paypal seinen US-Kunden den Handel mit Kryptowährungen ermöglicht hat. In diesem Jahr sollen auch Transaktionen in dieser und anderen Digitalwährungen, von denen es mittlerweile Tausende gibt, möglich werden. Die zweitgrößte Digitalwährung Ether hat zuletzt ebenfalls stark vom Bitcoin-Boom profitiert. Sie ist erstmals seit Anfang 2018 wieder mehr als 1.000 Dollar wert.

Vermögensverwalter investieren in Bitcoin

Nicht nur Paypal, auch große Finanzanleger zeigen ein stärkeres Interesse an digitalen Währungen. So hat etwa der große Vermögensverwalter Fidelity vergangenes Jahr einen Fonds aufgelegt, der in Bitcoin investiert. Auch wird die Kryptowährung verstärkt als alternative Anlage genutzt, weil einige Investoren aufgrund der in der Coronakrise stark steigenden Staatsschulden eine künftig höhere Inflation erwarten. Herkömmliche Währungen leiden in der Regel unter einer hohen Inflation und verlieren über ihren Wechselkurs an Wert.

Nun stellt sich die Frage, ob der Bitcoin nachhaltig von diesen Entwicklungen profitieren kann. Denn wesentliche Kritikpunkte bleiben: Als Zahlungsmittel ist der Bitcoin weitgehend ungeeignet. Zu stark sind seine Kursschwankungen, zu hoch ist der Energieverbrauch in der Herstellung (Mining), zu langatmig und teuer ist die Transaktionsabwicklung. Die Kernidee des Bitcoin-Erfinders, der bis heute nur unter einem Pseudonym bekannt ist, war aber gerade die Erschaffung eines neuen Zahlungsmittels.

Als Zahlungsmittel ungeeignet

Nicht nur als Zahlungsmittel, auch als Finanzanlage bleibt der Bitcoin umstritten. Hauptkritikpunkt sind seine teils heftigen Kursschwankungen. Häufig hat die Digitalwährung auf starke Wertzuwächse mit krassen Kurseinbrüchen reagiert. So auch zuletzt, als der Kurs mehrfach wegbrach. In den Augen vieler Kritiker stellt diese Wankelmütigkeit das Potenzial als Anlagegegenstand in Frage. Die Analysten der US-Bank JPMorgan etwa trauen dem Bitcoin durchaus zu, auf längere Sicht eine Art Goldersatz zu werden. Allerdings müsse er dazu erst seine Kursentwicklung verstetigen.

Der Vergleich mit Gold liegt aus mehreren Gründen auf der Hand. Wie das Edelmetall ist der Bitcoin knapp. Bei letzterem liegt dies an einer künstlichen Mengenbegrenzung von maximal 21 Millionen Einheiten. Zudem nutzen einige Investoren den Bitcoin als Finanzanlage etwa zur Absicherung gegen Kursschwankungen anderer Anlagen in ihrem Besitz. Gold wird ebenfalls für solche Zwecken verwendet. Drittens profitiert der Bitcoin wie auch Gold häufig von einem schwachen Dollar.

Eher Kunstprodukt als Finanzanlage

Der Vergleich mit Gold hinkt aber auch. Anders als das Edelmetall hat der Bitcoin keinen Eigenwert, da er eben nur digital als Belohnung für die Ausführung komplizierter Rechenprozesse existiert. Er ist damit weniger Finanzanlage als vielmehr ein Kunstprodukt. Zudem steht die Sicherungsfunktion in Frage: So folgt er der Kursentwicklung an den Aktienmärkten in der Regel wesentlich stärker als der Goldpreis, wie der Kolumnist und Wirtschaftsjournalist David Fickling zeigt. Als Sicherungsinstrument gegen Marktschwankungen scheint der Bitcoin damit nicht gerade prädestiniert zu sein.

Seine Zukunft steht damit auf wackligem Fundament. Man muss nicht so weit gehen wie die Experten von der Dekabank, die von einem «Spekulationswahnsinn» sprechen. Aber als Finanzanlage und erst recht als Zahlungsmittel ist die Kryptowährung höchst strittig. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass viele Zentralbanken den Ansatz aufgreifen und eigene Digitalwährungen anstreben.

Vielmehr dürfte das Gegenteil der Fall sein: Sollte sich die Idee digitalen Notenbankgeldes durchsetzen, würde für Kryptowährungen eine starke Konkurrenz entstehen. Ein Grund mehr, mit der Anlage vorsichtig zu sein. (dpa)