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Bringt der CO2-Preis die Klimawende?

Klimawandel
Konventionelle und alternative Energieerzeugung sind ein entscheidender Hebel für den Klimawandel. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Mit „CO2-Preis“ oder CO2-Abgabe können verschiedene Instrumente gemeint sein, um die Klimawende herbeizuführen – zumindest politisch. Das Prinzip: Der Ausstoß von Treibhausgasen, vor allem Kohlendioxid (CO2), bekommt einen Preis pro Tonne. Dadurch wird teurer, was CO2 ausstößt und dem Klima schadet. Das bringt klimafreundliche Technologien nach vorn und die Menschen dazu, Energie zu sparen. Grundsätzlich gibt es zwei Modelle: beim Emissionshandel wird mit Zertifikaten gehandelt, also Berechtigungsscheinen für den CO2-Ausstoß. Da die Wirtschaft irgendwann CO2-neutral werden soll, muss die Menge dieser Scheine nach und nach reduziert werden. So einen Handel gibt es in der EU schon für den Energiesektor und Teile der Industrie. Auch China hat für seine Stromproduktion einen Emissionshandel. Alternativ könnte auf den CO2-Ausstoß könnte eine Steuer oder eine Abgabe erhoben werden. In der Schweiz zum Beispiel wird seit 2008 eine Lenkungsabgabe auf fossile Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas erhoben, um sie teurer zu machen.

Rechenmodelle

Zur Zeit rechnen viele aus, wie viel teurer Sprit oder Heizöl würden. Falsch ist das nicht, aber auch etwas zu einfach – denn es darf als sicher gelten, dass an anderer Stelle entlastet wird. Eine rein auf Kostensteigung ausgerichtete Betrachtung greife zu kurz, sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), die sich im Auftrag der Bundesregierung damit beschäftigt. „Schlimmer noch: Sie verursacht Angst und verhindert oder stoppt sogar die Einführung eines grundsätzlich sinnvollen Instruments.“

Eine Beispielrechnung hat Patrick Graichen von der Denkfabrik Agora Energiewende aufgestellt: Würden auf die Steuern für Heizöl, Sprit und Erdgas 50 Euro pro Tonne CO2 aufgeschlagen, dann würden Erdgas um 1 Cent pro Kilowattstunde teurer, Heizöl und Diesel um 13 Cent pro Liter, Benzin um 12 Cent. Der Bund nähme im ersten Jahr mehr als 15 Milliarden Euro zusätzlich ein. Damit könnte er laut Graichen den Strompreis um vier Cent je Kilowattstunde senken und 2,7 Milliarden Euro in Wärme- und Verkehrswende stecken. Oder das Geld ginge direkt an Bürger und Wirtschaft: zum Beispiel rund 120 Euro pro Kopf und 200 Euro pro 100 000 Euro Lohnsumme für Unternehmen.

Kriterien

So oder so – Graichen nennt fünf Kriterien, die ein CO2-Preis erfüllen müsste: Der Staat dürfte das Geld nicht behalten, er müsste mindestens Menschen mit kleinen Einkommen etwas zurückzahlen, die Industrie dürfte keinen Wettbewerbsnachteil haben, die Bürokratie müsste begrenzt sein – und er müsste den Klimaschutz voranbringen. Kann er das, der CO2-Preis? Auch das hängt davon ab, wie er gestaltet wird. Graichen sagt, mindestens 50 Euro pro Tonne müssten es dafür schon sein.

Bisher sprechen Experten vor allem über fossile Brennstoffe und die Bereiche Verkehr und Gebäude, wenn es um den CO2-Preis geht. Komplizierter ist es mit der Landwirtschaft, die vor allem über die Tierhaltung auch Treibhausgase ausstößt – etwa Methan. Ob die 2016 von der großen Koalition festgelegten Sektorziele zum CO2-Sparen nun in ein Klimaschutzgesetz fließen sollen, ist umstritten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von CO2-Bepreisung „oder“ sektorweisem Sparen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sieht das nicht als Alternative, beides müsse sein. Und auch DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert ist überzeugt: „Ohne Sektorziele werden wir die Pariser Klimaziele nicht erreichen können.“ (dpa)