Genossenschaften

Münchner Dachgenossenschaft

Dachgenossenschaft
Die Vorstandsfrauen der GeQo eG, Mara Roth (links) und Lisa Schäfer (rechts). Foto: GeQo

Die Spatzen pfeifen es schon über den Dächern – in München gibt es eine Dachgenossenschaft, die viele Aktivitäten und gemeinschaftliche Angebote bündelt. Ich habe mit Mara Roth gesprochen, sie ist Vorstandsvorsitzende der GeQo eG. Frau Roth wohnt und arbeitet im Prinz-Eugen-Park unweit des Englischen Gartens. Dort entstand in den letzten Jahren auf einem Militärgelände ein Wohnquartier für 4.500 Menschen, drei Viertel der Bewohner haben ihre Wohnungen schon bezogen. Eine Kaserne wird zum Quartier, Schwerter zwar nicht zu Pflugscharen, aber zu Wohnzimmern und Schlafzimmern, das ist doch sehr schön.

Genossenschaftliche Quartiersorganisation

Mara Roth sagt: „Die Idee der GeQo ist es, alles rund um das Quartiersleben zu organisieren.“ Die Dachgenossenschaft war im Endeffekt die Idee eines Konsortiums aus 21 unterschiedlichen Bauherren. Es handelt sich also nicht um eine Wohnungsbaugenossenschaft, sondern um eine Geno, die das Leben im Quartier lebenswerter machen soll. Den Namen der Dachgenossenschaft halte ich für einen besonderen Glücksfall. Etwas schlichtere Namensvorschläge wie „Die Quartiersmacher“ konnten sich nicht durchsetzen. „GeQo“ ist griffig, kurz, witzig, die Buchstaben stehen für die genossenschaftliche Quartiers-Organisation. Vor allem aber hat man direkt das putzige Echsen-Tier vor Augen, das sich mit seinen patschigen Extremitäten an Mauern und Felsen festsaugen kann. Logisch, dass ein grüner Gecko das Erkennungszeichen der GeQo eG ist. 

Mitglieder der Geno sind die Bewohner der Prinz-Eugen-Parks und es liegt auch nahe, dass sich die Mitarbeiter und der Vorstand von GeQo aus dem Kreis der Bewohner des Quartiers rekrutieren. Aber was macht denn nun diese Dachgenossenschaft genau und warum nennt man sie so? Nun, normalerweise würde man für jede der einzelnen Aktivitäten in einem neuen Quartier, das mehr als Wohnen bieten will und gemeinschaftliches Leben ermöglicht, eine eigene Geno gründen, die beispielsweise dann das Quartiers-Café betreibt. Das ist natürlich mühsam und zeitintensiv, so dass vielleicht für andere Aktivitäten weder Arbeits-Ressourcen noch Geld vorhanden ist. Die Idee einer Dachgenossenschaft dagegen ist, vieles innerhalb einer einzigen Geno möglich zu machen. Die GeQo betreibt ein Quartiers-Café und kümmert sich um die Quartiers-Zeitung „Prinzen-Post“. Zudem organisieren sie eine Buchungsplattform für Gemeinschaftsräume, Gäste-Appartements und Co-Working-Spaces.

Treffpunt Apothekertresen

Die GeQo-Leute sind aber auch persönlich ansprechbar. Ein 100 Jahre alter Apothekertresen, der sogenannte Concierge-Desk, ist der zentrale Infopunkt des Dachgenossenschaftsbüro. Dort kann man für gemeinsame Feste Bierzeltgarnituren, einen Pavillon oder eine Musikanlage ausleihen. Auch Werkzeug oder Kinderfahrzeuge für Geburtstagspartys nutzen die Bewohner gemeinschaftlich.Für 1 Euro kann man sich beispielsweise ein Lastenfahrrad ausleihen. Ich finde, das ist Raiffeisen pur – alles was einer alleine nicht leisten kann oder möchte, wird genossenschaftlich und gemeinsam viel leichter erreicht. Meines Wissens nach ist die Dachgenossenschaft GeQo deutschlandweit einmalig. Aber – wie es stets bei brillanten Genoideen ist – Nachahmung für andere Quartiersprojekte empfiehlt sich. Denn es passen eine riesige Menge von Aktivitäten unter das Dach dieser außergewöhnlichen Genossenschaft. Und bekanntermaßen gilt für gute, aber auch für schlechte Zeiten: „Nur unterm Dach wird ein Sturm genossen.“