Genossenschaften Kolumne

Der neue Melker bei Schwarzwaldmilch

Auf seiner Raiffeisen-Tour besuchte Manel Andrack auch Miclhbauern der genossenschaft Schwarzwaldmilch. Foto: Juliane Herrmann/Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft

In früheren Jahrhunderten galt es als Abenteuer, neue Kontinente zu entdecken, Ruinen auszugraben, den Dschungel zu bezwingen. Als Großstadtkind im 21. Jahrhundert ist es schon ein großes Abenteuer, morgens um 5:30 Uhr auf den taufeuchten Wiesen des Christenmartinshof im Schwarzwald zu stehen. 40 Kühe warten darauf, gemolken zu werden, irgendwie scheinen die Euter aber nicht sonderlich voll zu sein, denn es ist harte Arbeit, alle Viecher Richtung Stall zu dirigieren – die Weide ist riesig. Aber sobald der Chef der Kühe an meiner Seite ist, trotten die Tiere Richtung Stall. Joachim Faller ist einer von über 1.000 genossenschaftlichen Milchbauern der Schwarzwaldmilch. Er wirtschaftet auf seinem Hof in über 1.000 Meter Höhe nach Bioland-Standard, seine Kühe bekommen nur das saftigste Weidegras. So saftig, dass meine Wanderschuhe schwer von der Nässe werden.

Besuch im Kuhstall

Im Stall drängen langsam acht Kühe in den Melkstand, während Faller, mein Kamerateam und ich uns ebenfalls zusammendrängen – wir stehen auf Augenhöhe mit den Zitzen der Viecher. Aber auch die Hinterteile der Tiere sind sehr nah. Die Milchkühe sind etwas nervös, so schrecklich viele Menschen im Melkstand, das ist ungewöhnlich. Der Schließmuskel versagt, das kann ja mal passieren. Ich ducke mich hinter den breiten Rücken meines Kameramanns, der kriegt einen gewaltigen Shitstorm ab. Der Arme stinkt, als hätte er in einer Jauchegrube gebadet.

Genossenschaftsbauer Faller weist mich in die Arbeitsläufe ein. Der Melkvorgang beginnt mit Handarbeit. Wir melken Zitze für Zitze ab, bis ein feiner Strahl Milch herausschießt. Dadurch wird verhindert, dass Keime in die Trinkmilch gelangen. Im nächsten Arbeitsschritt rubbeln wir mit Holzwolle die Zitzen, das stimuliert den Milchausstoß, sagt Bauer Faller. Genug gerubbelt, nun wird die Melkmaschine mit den vier Zitzenbechern angelegt. Dabei stelle ich mich äußerst ungeschickt hat, Joachim Faller muss helfen, sonst gibt es Kabelsalat oder Zitzenbecher-Alarm. Die Melkmaschine mit ihren vier Saugern fällt automatisch ab, als genug abgepumpt ist. Schließlich desinfiziere ich die Zitzen zärtlich mit grüner Sprühlösung, dann ist die nächste Kuh dran. Es dauert schon eine Weile, bis alle 40 Kühe gemolken sind, aber langsam bekomme ich eine gewisse Routine. Nach einer guten Stunde ist der Milchtank voll und die Euter leer. Bauer Faller ist stolz auf mich, das Melkabenteuer war erfolgreich: „Wenn ich in Urlaub fahre, kannst Du bei mir als Hilfsmelker anfangen“, sagt er.

Besuch bei Schwarzwaldmilch

Um 7 Uhr biegt der Milch-Lkw der Schwarzwaldmilch auf den Christenmartinshof ein. Die nächsten Arbeitsschritte erledigt der Milchfahrer alleine, Bauer Faller darf schon mal frühstücken. Ich verabschiede mich von meinem sympathischen Melk-Dozenten und verfolge den Milch-Lkw auf seiner Fahrt hinab von den Höhen des Schwarzwalds hinunter in die Rheinebene nach Freiburg. Der Geschäftsführer der Schwarzwaldmilch, Andreas Schneider, erläutert die Produktionsprozesse vor Ort, zeigt die ununterbrochene Kühlkette bis in den „Milchladen“, die genossenschaftliche Verkaufsfläche auf dem Betriebsgelände. Die Produktpalette umfasst sämtliche Milchprodukte, und in ein paar Tagen kann man eine Tüte Bio-Milch kaufen, in der wahrscheinlich auch die Milch der 40 Kühe von Bauer Faller verarbeitet ist. Vielleicht sind ja auch ein paar Tropfen Milch dabei, die der Hilfsmelker den Zitzen entlockt hat. Im „Milchladen“ verstehe ich übrigens, warum die Fußballer des SC Freiburg mit den ungleich finanzstärkeren Vereinen der Bundesliga mithalten können – die südbadischen Kicker trinken vor jedem Spiel reichlich genossenschaftliche Milch ihres Trikotsponsors Schwarzwaldmilch!