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Ein Pfarrer geht neue Wege

Thomas Hatwig ist Pfarrer in der katholischen Kirchengemeinde St. Heinrich in Reken und muss im Moment viel improvisieren. Denn der direkte Kontakt zu den Mitgliedern seiner Gemeinde ist nur eingeschränkt möglich. Er verbringt viel Zeit im Homeoffice und hält über die sozialen Netzwerke Kontakt zu den Menschen.

Dabei nutzt Hatwig die gesamte Klaviatur moderner Kommunikation. Angefangen bei Facebook, Youtube und Instagram, über WhatsApp bis zur eigenen Homepage ist er über alle Kanäle mit seiner Gemeinde verbunden.

Angebot kommt gut an

Das kommt gut an. Die Videos über Facebook haben bislang 2.000 Menschen gesehen. Damit erreicht der Pfarrer vor allem Männer im Alter zwischen 25 und 34 Jahren. Sie zählen üblicherweise nicht zu den regelmäßigen Besuchern, betont Thomas Hatwig.

Dabei profitiert er davon, dass ihm der Umgang mit sozialen Netzwerken vertraut ist. „Über Videos können wir Impulse setzen und mit den Menschen in Kontakt bleiben. Das ist das wichtigste Ziel“, erklärt er. Die Aufnahmen erledigt er schnell und unkompliziert mit dem eigenen Smartphone. Damit hälter auch Kontakt zu älteren Menschen in seiner Gemeinde.

Er hat jüngere Gemeindemitglieder gebeten, ihm die Handydaten ihrer Großeltern zu geben. „Ich bin überrascht, wie viele ältere Menschen ein Smartphone aktiv nutzen.“ Ein gutes Beispiel dafür ist auch seine eigene Mutter, die über WhatsApp eifrig kommuniziert.

Das direkte Gespräch fehlt

Dennoch fehlt Hatwig das direkte Gespräch mit den Mitgliedern seiner Gemeinde. „Menschen, die einsam sind, habe ich über die Osterfeiertage angerufen oder auch einmal eine Karte geschrieben“, erzählt Hatwig. Trauergespräche führt er aber nach wie vor im Rahmen einer persönlichen Begegnung, bei denen die Beteiligten die Abstandsregelneinhalten. Die persönliche Begegnung hält er bei der Trauerbegleitung für unverzichtbar.

Bei seiner Arbeit muss Hatwig derzeit flexibel sein: „Wir fahren auf Sicht und wissen zum Beispiel noch nicht, obund wie wir die Erstkommunion in diesem Jahr feiern können.“

Ursprünglich waren in diesem Jahr fünf Feiern mit 100 Kindern in seiner Gemeinde geplant. Er musste alle schweren Herzens absagen. „Ob wir die Feiern im Herbst nachholen können, lässt sich derzeit nicht absehen.“

Auch im Gottesdienst Abstand einhalten

Immerhin sind seit Mai wieder Gottesdienste möglich. Aber auch in den Kirchen gelten Hygiene- und Abstandsregeln. Der traditionelle Friedensgruß während des Gottesdienstes entfällt, die Besucher müssen 1,50 Meter Abstand zueinander halten.

Während in normalen Zeiten 500 Menschen in die Kirche Sankt Heinrich passen, sind es jetzt nur 70 Menschen. Hatwig geht davon aus, dass dieser Zustand anhält, bis es eine Impfung gibt oder ein wirksames Medikament gegen Covid-19 gefunden ist.