Genossenschaften Kolumne Regional

Andracks genossenschaftliche Abenteuer, Teil 4: Ein Prosit auf das neue Geno-Jahr

Andrack Mayschoss
Handarbeit: Winzer Horst Knieps (r.), Aufsichtsratsvorsitzender der Winzergenossenschaft Mayschoß, erklärte Manuel Andrack, wie die Weinstöcke im Frühjahr beschnitten werden. Foto: Juliane Herrmann/Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft

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Prösterchen, Stößchen, Prosit! Ich hoffe, Ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen. Ich habe mit einem genossenschaftlichen Getränk an Silvester auf ein gutes Jahr 2019 angestoßen. In meinem Glas perlte ein 2016er Sekt Blanc de Noir Brut – von der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr.

Die älteste Winzergenossenschaft der Welt wurde 1868 gegründet. Der erste Genossenschaftswinzer hieß Nikolaus Näkel, mit insgesamt 18 Winzern starteten sie vor 151 Jahren in eine goldene Zukunft des Ahrweins. Friedrich Wilhelm Raiffeisen hatte Wanderlehrer ausgesandt, um die genossenschaftliche Idee zu verbreiten. Möglicherweise wurde auch der Winzer Nikolaus Näkel durch einen solchen Raiffeisen-Botschafter ermutigt, Kräfte zu bündeln und den Ahrwein gemeinsam herzustellen und zu verkaufen.

Ich treffe Horst Knieps in seinem Weinberg oberhalb der Mayschoßer Winzergenossenschaft, hinter uns die pittoresken Ruinen der Saffenburg. Knieps ist Aufsichtsrat der Winzergenossenschaft – kein Aufsichtsrat in Nadelstreifen, sondern in Arbeitshose. Es ist noch Spätwinter, aber der Winzer hat ganzjährig im Weinberg zu tun. Ungefähr siebzehn Mal – so sagt man – besucht jeder gute Weingärtner seine Reben in der Steillage. Er zeigt mir, wie man die Reben richtig biegt und am Rebstock befestigt, das Biegen fördert das Wachstum. Auch die Winzergenossenschaft ist gewachsen – mittlerweile beteiligen sich 432 Winzer an der Produktion – und alle zusammen sind unglaublich erfolgreich.

Bundesliga der Weingenossenschaften

Es gibt eine Bundesliga der deutschen Weingenossenschaften, Geschmack und Qualität der Weine werden bewertet. Die Winzer aus Mayschoß und Altenahr haben sich schon oft die Deutsche Wein-Meisterschaft gesichert. Denn die Qualität der Trauben werde – erzählt Horst Knieps – bei den Mayschoßer Geno-Winzern weit mehr honoriert als die Qualität. Lange haftete dem Genossenschaftswein deutschlandweit das Image an, es sei Massenware, dem einzelnen Winzer sei es doch egal, welche Traubenqualität er abliefere. Daher sei der Wein der einzelkämpfenden Winzer besser, wertvoller, schmackhafter. Dieses Vorurteil widerlegen die Mayschoßer Jahr für Jahr auf überaus überzeugende Art und Weise.

Vor allem in den Anbaugebieten Baden und Württemberg werden die meisten Weine genossenschaftlich hergestellt. Ich durfte auf meinen Weinwanderungen der letzten Jahre schon exzellente Weine der Durbacher Winzergenossenschaft, der Oberkircher Winzer und der Weingärtner Markelsheim kosten – und die waren allesamt köstlich. Ob ein Wein wirklich etwas taugt, dass können am besten die beiden Labormitarbeiter der Firma Klug in Langenlonsheim an der Nahe beurteilen.

Bier auf Wein …

Die Firma Klug gehört als hundertprozentige Tochter der RWZ auch zur genossenschaftlichen Familie und bietet alles, was der Winzer benötigt. Zum Beispiel lagern ungefähr fünf Millionen Flaschen in allen Größen, Formen und Farben und warten darauf, befüllt zu werden. Im Labor der Firma Klug können Winzer ihre neuesten Tropfen testen lassen. Sehr technisch ist das alles, geprüft wird beispielsweise der Phosphat-Wert, Kategorien wie „lecker“ oder „nicht lecker“ zählen nicht. Ungefähr zehn Liter Wein täglich (TÄGLICH!) müssen die beiden Laboranten verkosten. Respekt! Hat man da, hake ich nach, abends überhaupt noch Lust auf einen Feierabend-Schoppen? Klare Antwort: Nein! Ich erfahre: „Wer guten Wein machen will, muss viel Bier trinken“. Wegen der Neutralisierung der Geschmacksnerven, eigentlich logisch.

Apropos Geschmacksnerven: Ich bekomme gerade Durst und werde daher gleich in meinen Weinkeller gehen. Dann suche ich schon mal einen feinen genossenschaftlichen Tropfen für heute Abend aus. Einer meiner guten Vorsätze für 2019 ist: Nicht zu wenig Genowein trinken. Auf die Winzergenossenschaften, zum Wohl!