Regional

Eine Region hält zusammen

Schöne Landschaft: Das Westmünsterland will in diesem Jahr verstärkt Besucher aus dem Bundesgebiet für einen Urlaub gewinnen.

Die Coronakrise hinterlässt im Westmünsterland ihre Spuren. Vor allem die Folgen am Arbeitsmarkt werden immer deutlicher. So haben allein im Kreis Coesfeld 1.800 Unternehmen Kurzarbeit für rund 27.000 Beschäftigte angemeldet.

„Das sind immerhin rund 38 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – ein Ausmaß, wie wir es bei uns im Kreis noch nicht erlebt haben“, sagt Dr. Christian Schulze Pellengahr, Landrat des Kreises Coesfeld. Er hat deswegen einen Krisenstab Wirtschaft aus Vertretern von Städten, Gemeinden, Unternehmen und weiteren gesellschaftlichen Gruppen einberufen, um sich mit ihnen zu beraten.

Auch Dr. Kai Zwicker, Landrat des Kreises Borken, will Unternehmen in der Region mit einem solchen Krisenstab unterstützen. In diesem Gremium sind Kommunen, die Arbeitsagentur, Wirtschaftsverbände, Kammern, Gewerkschaften und Banken vertreten. Ziel ist dabei, vor allem den Unternehmen zu helfen, die stark vom Lockdown betroffen sind.

Dazu zählen Betriebe, die durch eine Verordnung stillgelegt wurden oder deren Markt weggebrochen ist. „Ich denke dabei an die Gastronomie, an die Hotellerie und an die Tourismusbranche einschließlich Reiseveranstaltern und Reisebüros“, sagt Zwicker. Betroffen ist im Kreis Borken auch die gesamte Event- und Veranstaltungsbranche. Die finanziellen Hilfen von Bund und Land sind aus Sicht der Landkreise Landkreise ein wichtiger Baustein, um die Krise zu bewältigen.

Unternehmen produzieren Masken

Viele Unternehmen in der Region nutzen die Situation als Chance. Sie produzieren die so dringend benötigten Masken und Schutzkleidung.

„Lassen Sie mich exemplarisch die Franz Ziel GmbH in Billerbeck nennen, die Schutzmasken desinfiziert, die dann wieder in Pflegeeinrichtungen verwendet werden. Das Dokuteam aus Nottuln produziert Gesichtsschutzvisiere aus dem 3D-Drucker, die Brennerei Beckschulte aus Havixbeck und die Stiftsapotheke bieten Handinfektionsmittel an“, sagt Landrat Schulze Pellengahr.

Das Unternehmen Kirchhoff aus Senden hat bereits frühzeitig Hygienekonzepte entwickelt und hilft damit vielen Unternehmen in der Region beim Wiederhochfahren der Produktion. Landrat Zwicker betont die gute Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und der öffentlichen Hand: „Als Kreisverwaltung nutzen wir ausgesprochen gerne diese ortsnahen Möglichkeiten, um Schutzmaterialien wie wiederverwendbare Masken zu beziehen.“

Im Hinblick auf die medizinische Versorgung der Bevölkerung haben beide Kreise ausreichend Kapazitäten aufgebaut. So hat der Kreis Borken die Zahl der Intensivbetten auf 90 erweitert. Sie wurden während der ersten Welle der Coronapandemie aber längst nicht alle benötigt.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch im Kreis Coesfeld ab, wo die Kapazitäten der Intensivstationen verdoppelt wurden. Auch das wurde bislang nicht ausgeschöpft. Beide Landräte freuen sich über den Zusammenhalt der Menschen in der Coronakrise.

„Einzelpersonen, Nachbarschaften und örtliche Initiativen in allen 17 Städten und Gemeinden kümmern sich im Kreis Borken uneigennützig um Bedürftige“, sagt Zwicker. Das kennzeichne einmal mehr den Menschenschlag im Westmünsterland. Kommunen stellen den freiwilligen Helfern Räume und auch andere Ressourcen zur Verfügung.

„Wir erleben solidarisches, bürgerschaftliches Engagement im großen Stil“, berichtet auch Schulze Pellengahr aus dem Landkreis Coesfeld. Vor allem Nachbarschaften und Kirchengemeinden würden Menschen unterstützen, die zur Risikogruppe zählen, sich in Quarantäne befinden und keine Hilfe in ihrem persönlichen Umfeld haben. „Mit Einkäufen, Botengängen und Erledigungen des täglichen Bedarfs helfen sie solidarisch den Betroffenen weiter.“

Virtuelle Konzerte als Ersatz für Festivals

Die Coronakrise trifft auch die Kulturlandschaft im Westmünsterland stark. Viele Veranstaltungen, die im Frühjahr und Sommer in normalen Zeiten regen Zulauf finden, wurden bereits abgesagt.

Für viele Künstler bedeutet das, eine Zeit ohne Einnahmen aus Auftritten und Veranstaltungen zu überbrücken. So haben sich in beiden Kreisen Initiativen gebildet, um das Publikum auf virtuellem Weg zu erreichen.

Autokino erlebt Revival

Das Kreisorchester Borken unter der musikalischen Leitung von André Baumeister hat eigens für die Ostertage das Musikvideo  „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ aufgenommen, ein Lied des Zusammenhalts und des Vertrauens in dieser schwierigen Zeit. Mit dem Autokino erfährt sogar ein Relikt der Vergangenheit in Coesfeld ein Revival.

So sehr die Region von den Folgen der Krise betroffen ist, eröffnen sich jetzt auch neue Chancen. „Das Interesse für die eigene Region und den Urlaub vor der Haustür im schönen Münsterland war schon immer da. Doch in diesen besonderen Zeiten kann sich das deutlich verstärken“, sagt Landrat Zwicker.

Urlaub im eigenen Land

Schließlich werden mehr Bundesbürger in diesem Jahr ihren Urlaub in heimischen Gefilden verbringen. „Deswegen ist es wichtig, dass sich unsere örtlichen Tourismus-Betriebe intensiv auf die Wiedereröffnung vorbereiten und Maßnahmen ergreifen, um die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten“, mahnt Zwicker.

Eine zentrale Rolle kommt für die beiden Landräte der regionalen Marketinginitiative Münsterland e.V. zu. Sie entwickelt derzeit attraktive Ferienangebote, sagt Schulze Pellengahr: „Dabei haben wir besonders Familien im Blick und wollen für Kinder spannende Erlebnisse in unserer schönen Parklandschaft bieten. Ich bin mir sicher, dass dabei etwas Tolles entsteht.“