Studien Wirtschaft

Existenzgründungen nehmen 2020 ab

ARCHIV - 06.02.2018, Hessen, Frankfurt/Main: Das Logo der KfW auf der Zentrale der KfW Bankengruppe. Die Corona-Krise hat die Gründerszene in Deutschland ausgebremst. (Zu dpa «KfW: Weniger Existenzgründungen im Corona-Jahr 2022») Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Corona-Krise hat die Gründerszene in Deutschland ausgebremst. Rund 537.000 Menschen machten sich im Jahr 2020 selbstständig und damit 68.000 weniger als in den zwölf Monaten zuvor, wie die Förderbank KfW ermittelt hat. 2019 war die Zahl der Existenzgründungen erstmals seit fünf Jahren wieder gestiegen.

Im laufenden Jahr rechnet KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib nach Angaben vom Dienstag mit einem Aufwärtstrend: „Der konjunkturelle Aufschwung gibt Rückenwind, und auch der Arbeitsmarkt dürfte eher positiv auf die Gründungstätigkeit wirken.“ Zudem seien viele weit fortgeschrittene Vorhaben aufgrund der Pandemie verschoben worden.

Tiefpunkt bei Vollerwerbsgründungen

Rückgänge gab es im vergangenen Jahr sowohl bei den Gründungen zum Nebenerwerb (minus 41.000 auf 336.000) als auch bei denjenigen, mit denen Menschen vollständig ihren Lebensunterhalt verdienen. Bei diesen sogenannten Vollerwerbsgründungen wurde nach einem Minus von 27.000 auf 201.000 ein neuer Tiefpunkt erreicht.

Die existenzbedrohende Lage, in die viele Selbstständige durch die Corona-Krise gerutscht sind, hat im vergangenen Jahr offenbar viele Gründungsinteressierte abgeschreckt, bevor sie Gründungspläne überhaupt entwickeln haben. Entsprechend stark ist die „Planungstätigkeit“ eingebrochen: Der Anteil von Erwerbsfähigen mit Gründungsplänen sank von 6,4 Prozent im Jahr 2019 auf 4,4 Prozent im vergangenen Jahr. Gleichzeitig ging die Quote derjenigen, die ihre Geschäftstätigkeit innerhalb der nächsten 12 Monate aufnehmen wollen, von 3,2 Prozent auf 2,6 Prozent zurück. Die rückläufige Planungsquote 2020 ist aber nur auf den ersten Blick ein negatives Signal für die Gründungstätigkeit 2021.

Existenzgründungen dürften wieder zulegen

„Nach dem coronabedingten Einbruch der Gründungstätigkeit in Deutschland verspricht 2021 ein gutes Gründungsjahr zu werden“, sagte Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Hinzu kommt: Viele Gründungsplanerinnen und -planer wollten eigentlich bereits 2020 gründen – sie haben ihre Projekte aufgrund der Corona-Krise nur verschoben. Sie sind im Planungsprozess weit vorangeschritten und nah an der Umsetzung. Auch davon dürfte die diesjährige Gründungstätigkeit profitieren.“

Vor allem Männer wagten nach Angaben der KfW seltener den Schritt in die Selbstständigkeit. Unter ihnen sank die Zahl der Existenzgründer binnen Jahresfrist um 58.000 auf 332.000. Dagegen blieb die Zahl der Gründerinnen mit einem Rückgang von 10.000 auf 205.000 nahezu stabil. Gründungen von Frauen machen somit 38 (2019: 36) Prozent aller Existenzgründungen in Deutschland aus. (dpa)