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Verbände kritisieren geplante Düngeverordnung

Düngemittelverordnung
Die Änderung der Düngemittelverordnung ist umstritten. Foto: Pixabay

Die am 13. Juni 2019 veröffentlichten neuen Vorschläge der Bundesregierung zur Düngeverordnung stoßen beim Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V. und beim Deutschen Raiffeisenverband auf heftige Kritik. „Die beschlossenen weiteren Verschärfungen der Düngeverordnung haben massive negative Auswirkungen auf unsere Mitgliedsbetriebe“, beklagte Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen e.V..

Maßnahmen gehen zu weit

„Aus genossenschaftlicher Sicht sind die vorgesehen Maßnahmen zu weitgehend und verfrüht. Es wäre stattdessen richtig und sinnvoll gewesen, die aktuell geltende und in 2017 bereits verschärfte Düngeverordnung zunächst anzuwenden und die Auswirkung auf den Grundwasserschutz auszuwerten“, so Barkey. Betroffen von den neuen Düngeregeln, die unter anderen eine Reduktion des ausgebrachten Düngers um pauschal 20 Prozent unter dem Bedarf der jeweiligen Kulturpflanzen vorsieht, sind besonders Veredelungsbetriebe in viehstarken Regionen – in NRW insbesondere das Münsterland, in Niedersachsen insbesondere die Weser-Ems Region –, aber auch Gemüsebauern in Gegenden mit geringen Niederschlagsmengen oder sehr durchlässigen Böden.

Beträchtlicher Schaden

„Der wirtschaftliche Schaden, den unsere Mitgliedsbetriebe erwarten müssen, ist beträchtlich. Hier erwarten wir seitens der Bundesregierung und der Länder Ausgleichszahlungen nach dem Vorbild des Kohlekompromisses. Die in ihrer Region eingebundenen genossenschaftlichen Unternehmen, die von der Düngeverordnung betroffen sind, haben ein ureigenes Interesse daran, dass das Grundwasser und damit die Umwelt besser vor Nitrateinträgen geschützt werden. Dies darf jedoch nicht zu einer Überreaktion führen und eine bereits nachhaltig betriebene Landwirtschaft in den Regionen in ihrer Existenz bedrohen“, erklärte Ralf W. Barkey abschließend.

Auch für den Deutschen Raiffeisenverband verheißen die Pläne nichts Gutes. DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp befürchtet durch die geplante Verschärfung der Düngeverordnung erhebliche strukturelle Einschnitte für betroffene Regionen.

Die vorgestellten fachfremden Schritte würden deutlich über das vorgegebene Ziel hinausschießen, das Grundwasser besser vor Nitrateinträgen aus der Landwirtschaft zu schützen. „Eine Düngung 20 Prozent unter dem Bedarf der jeweiligen Kulturpflanzen dient dem Schutz des Grundwassers nicht mehr, als eine bedarfsgerechte Düngung. Dagegen führt eine Mangelernährung der Pflanzen dazu, dass nachhaltige Landwirtschaft nicht mehr möglich ist“, erklärt Holzenkamp.

Strukturveränderungen befürchtet

Der Präsident des Spitzenverbandes der ländlichen Genossenschaften gibt zu bedenken, dass die bevorstehenden Verschärfungen nicht nur die Landwirte treffen werden. Vielmehr befürchtet der DRV-Präsident erhebliche Strukturveränderungen in ganzen Landstrichen: „Die Produktion wird extensiviert oder komplett verlagert, die Wertschöpfung geht verloren. Das fängt an bei den Futtermittelherstellern und Verarbeitern, geht weiter über die Bauwirtschaft und die Agrartechnik bis hin zu den Lebensmittelherstellern. Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens lässt sich bisher nicht abschätzen.“

Um die Folgen für die ländlichen Räume abzumildern, erwartet der DRV nun, dass die Politik ihrer Verantwortung gerecht wird und die Betroffenen nicht alleine lässt.