Regional Studien

Ifo-Studie zeigt langfristigen Trend in die Städte

Städte
Die Metropole Berlin dominiert das Brandenburgische Umland - das hat eine lange Tradition. Foto:Pixabay

Wie Magneten ziehen Deutschlands Städte seit 150 Jahren neue Einwohner an. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Ifo-Instituts Dresden zeigen einen sehr langfristigen Trend zugunsten urbaner Räume – in Ost wie West. Der Anteil der Bevölkerung, die auf dem Land lebt, hat mittlerweile sowohl in schrumpfenden Regionen als auch in Wachstumsregionen den niedrigsten Stand seit 1871 erreicht. Während der gesamten Nachkriegszeit hat sich Deutschlands Bevölkerung noch nie so stark auf einzelne Städte konzentriert wie heute.

Ländliche Regionen verlieren Einwohner

Für die Studie haben die ifo-Forscher Felix Rösle und Timo Weishaupt drei Regionen Deutschlands mit einer ähnlichen Einwohnerzahl und Siedlungsstruktur verglichen und Daten seit 1871 hinsichtlich der Binnenmigration ausgewertet. Die drei Länder Berlin/Brandenburg, Hessen und Sachsen weisen urbane Zentren und ländlich geprägte Regionen und haben eine ähnliche Anzahl von Gemeinden. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte sich die Einwohnerzahl in den drei Ländern jeweils verdoppelt. Sehr unterschiedlich entwickelte sie sich seit 1945: Hessen hat seit dem Zweiten Weltkrieg rund zwei Millionen Einwohner hinzugewonnen, Sachsen ebenso viele verloren. In Berlin/Brandenburg hat sich die Gesamtzahl der Einwohner bis Ende 2018 kaum verändert.

Ungebrochen ist der Trend zur Urbanisierung seit 1945 in allen drei Ländern. Erwartungsgemäß weist Berlin/Brandenburg den höchsten Wert der Einwohnerkonzentration auf. 88 Prozent der Bevölkerung lebten hier Ende 2018 in den Städten. Damit wurden die hohen Einwohnerzahlen der Städte – vor allem Berlins – aus den 1920er- und 30er-Jahren noch übertroffen. Sachsen erlebte einen Urbanisierungsschub durch die Industrialisierung um 1900 und erreichte das Urbanisierungshoch von 1939 im Jahr 2018 wieder mit einem Anteil der Stadtbevölkerung von 78 Prozent. Hessen erreichte den Vorkriegsrekord von 79 Prozent bereits 1956; im Jahr 2018 lebten 83 Prozent der Bevölkerung in der Stadt.

Kein neuer Trend

Die Studie zeigt: Der Trend zur Urbanisierung ist keineswegs neu – vor allem aber ungebrochen. Ebenso die Probleme, die er in den ländlichen Regionen mit sich bringt. „Das heute erreichte Ausmaß der Landflucht vorwiegend junger Menschen sollte Anlass für eine verstärkte Debatte um Maßnahmen zur Stärkung des ländlichen Raumes sein“, folgern die Autoren der Studie.