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Inventur am Boden

trockener Acker
Ackerböden haben je nach Beschaffenheit unterschiedlichen Nutzen für den Klimaschutz. Foto: Pixabay

Die gute Nachricht ist: Deutschlands Böden speichern mehr Kohlenstoff als erwartet – nämlich mehr als zwei Milliarden Tonnen. Das ergaben mehr als 120.000 Bodenproben, die die Wissenschaftler des Thünen-Instituts bundesweit in den vergangenen sechs Jahren bei gut 3.000 Landwirten genommen haben. Sie untersuchten die ersten 100 Zentimeter des Bodens unter anderem auf den Sauerstoffgehalt, die Humusbildung und die organischen Kohlenstoffvorräte.

Diese geben darüber Auskunft, welchen Beitrag der Boden als CO2-Speicher zum Klimaschutz leistet. Weltweit ist im Boden viermal mehr Kohlendioxid gespeichert als in der oberirdischen Vegetation und zweimal mehr Kohlendioxid als in der Luft. Die Böden sind weltweit nach den Ozeanen der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher der Erde. Die Wald- und Agrarökosysteme speichern zusammen so viel organischen Kohlenstoff wie Deutschland bei dem derzeitigen Emissionsniveau in 23 Jahren als CO2 emittiert.

Unterschiedliche Speicherkapazität

Eine besondere Rolle nehmen dabei Moore ein, die landwirtschaftlich genutzt werden – sie speichern besonders viel organischen Kohlenstoff. Geringe Gehalte befinden sich in Sandböden. Auch speichern die Ackerböden zur Überraschung der Wissenschaftler im Durchschnitt mehr CO2 als die Waldböden.

Die Bearbeitung und der Grundwasserabstand sind wesentliche Faktoren für die Speicherfähigkeit der Böden, so der Bericht des Thünen-Instituts. Zudem fiel den Wissenschaftlern in ihren Modellen der Verlust des CO2-Vorrates in Ostdeutschland besonders auf, und sie vermuten, dass sich die Neustrukturierungen in der Landwirtschaft nach der Wiedervereinigung dort noch immer auswirken. Auch Klimaänderungen, wie steigende Temperaturen und abnehmende Niederschläge in der Vegetationszeit, können über ihren Einfluss auf die landwirtschaftlichen Erträge und die Mineralisation von organischem Kohlenstoff im Boden zu einer deutlichen Veränderung des CO2-Vorrates im Boden führen.

Einfluss auf die Ackerbaustrategie

„Die Bodenzustandserhebung hilft uns, den Boden besser zu verstehen. Daten und Fakten zeigen, wie bedeutend der Agrarboden für den Klimaschutz und für die Klimaanpassung ist – ein Potenzial, das häufig unterschätzt wird“, sagte Agrarministerin Julia Klöckner bei der Vorstellung des Berichts. Im Gegensatz zu allen anderen Wirtschaftssektoren könnten Landnutzung und Forstwirtschaft Kohlenstoff speichern und damit als natürliche Treibhausgassenker fungieren.

Die Landwirtschaft sei mit ihrer Art und Weise, wie sie die Böden bearbeitet, somit auch wesentlicher Teil der Klimaschutzstrategie. Diese besondere Rolle der Land- und Forstwirtschaft gelte es, stärker zu nutzen und zu fördern, so die Absicht der Ministerin. „Land- und Forstwirtschaft nutzen den Boden, schützen ihn aber auch.“ Mit gezieltem Aufbau von Humus und Bodenleben lasse sich die Bodenfruchtbarkeit steigern und gleichzeitig Kohlenstoff einlagern. Die Ergebnisse des Berichts sollen in die Ackerbaustrategie einfließen, die die Ministerin noch in diesem Jahr vorstellen will.