Regional Unternehmen

Konjunktur im Westmünsterland weiter gut

Gute Stimmung ungebrochen: Der Boom in der Bauindustrie hält auch 2019 an.

Die Wirtschaft im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region wächst weiter. Allerdings etwas langsamer als in den vergangenen Jahren. Davon ist Dr. Fritz Jaeckel überzeugt. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen stützt sich auf die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage. Demnach befindet sich die Wirtschaft in der Region insgesamt weiterhin in einem guten Zustand. Allerdings sind die Unternehmen verunsichert.

Binnenwirtschaft trägt Konjunktur

Sorgen bereitet vor allem die exportorientierte Industrie. Dagegen ist die Binnenwirtschaft nach wie vor die wichtigste Konjunkturstütze. Sie wird von einer regen Bautätigkeit und einem anhaltend hohen Konsum getragen. „Die Stimmung in der nord-westfälischen Wirtschaft ist weiterhin verhalten optimistisch. Auch wenn der handelspolitische Wind rauer wird, bleiben die Unternehmen positiv gestimmt“, sagt Jaeckel. „Die Voraussetzungen für ein solides, wenn auch schwächeres Wachstum sind nach wie vor vorhanden.“ Damit besteht die „Chance, den ungewöhnlich langen Aufschwung ins zehnte Jahr zu verlängern“.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator sinkt um zwei auf jetzt 123 Punkte. Er bewertet die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten Monate. „Damit liegt er immer noch sechs Punkte über dem langjährigen Durchschnitt“, betont Jaeckel. Er hält nicht viel davon, „sich die wirtschaftliche Lage selbst schlecht zu reden“. Wenn sich das Konjunkturklima abkühle, „muss das kein Anfang vom Ende sein“.

Nach wie vor gute Lageeinschätzung

Tatsächlich hat sich gegenüber der Befragung vor gut vier Monaten an der grundsätzlich positiven Lageeinschätzung der Unternehmen fast nichts geändert. Noch immer beurteilen fast 96 Prozent ihre Geschäftslage mit „gut“ (52) oder „befriedigend“ (43), nur ganz wenige sind nicht zufrieden (4). „Am besten ist die Stimmung weiterhin in der Bauwirtschaft“, sagt Jaeckel.

„Das Auftragspolster aus dem vergangenen Jahr könnte bei vielen Industriebetrieben in den nächsten Monaten noch für eine gute Auslastung sorgen“, vermutet Jaeckel. „Doch die Verunsicherung darüber, wie sich die Konjunktur in den nächsten Monaten entwickeln wird, nimmt insgesamt deutlich zu.“ Vor allem die stark exportorientierte Industrie ist mit Blick auf die ungelösten internationalen Handelskonflikte und den zunehmenden Protektionismus pessimistisch.

Export verliert an Dynamik

Immerhin jedes vierte Unternehmen rechnet mit einem expandierenden Auslandsgeschäft in den kommenden Monaten. Dagegen geht fast jedes fünfte von geringeren Umsätzen im internationalen Geschäft aus. Die Verunsicherung lässt sich ebenso an der nachlassenden Investitionsbereitschaft der Unternehmen ablesen. „Nachdem sich in den vergangenen anderthalb Jahren deutlich mehr Dynamik bei den unternehmerischen Investitionen entfaltet hatte, zeichnet sich für 2019 eine nachlassende Tendenz ab, vor allem in der Industrie“, resümiert Jaeckel.

Auf die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen insgesamt scheint sich das wenig auszuwirken. „Sie bleibt unverändert hoch“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer. Immerhin 30 Prozent der Betriebe will die Mitarbeiterzahl erhöhen. Ein uneinheitliches Bild der Konjunktur zeigt auch hier vor allem die Industrie: Der Anteil der Betriebe, die einstellen wollen, ist mit 25 Prozent genauso hoch wie der Anteil der Betriebe, die ihre Mitarbeiterzahl verringern wollen. Die Industrieunternehmen, die den Beschäftigungstand herunterfahren wollen, legten um zehn Punkte zu.

Fachkräftemangel ist größtes Risiko

Nichtsdestotrotz ist der Fachkräftemangel mit über 60 Prozent der Nennungen immer noch das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Von besonders großen Engpässen berichten Bauunternehmen und auch unternehmensnahe Dienstleister, sagt Jaeckel: „Weite Teile der Wirtschaft sind davon erfasst, denn zunehmend berichten auch die größeren Unternehmen davon, nicht ausreichend Fachpersonal zu finden.“