Studien Wirtschaft

Landwirte finden Digital Farming sinnvoll

Digitale Landwirtschaft
Drone und Traktor: Zusammenarbeit auf dem Feld. Foto: Adobe Stoc

Betrachtet er die Daten zur Entwicklung der Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten, so ist für den Landwirt klar: Die Produktivität muss steigen. Wenn die Prognose der UN-Agrarorganisation FAO bis zum Jahr 2050 zutrifft und 300.000 Quadratkilometer Ackerland verloren gehen, gleichzeitig aber zehn Milliarden Menschen die Erde bevölkern werden, so wird Produktivität allein nicht genügen. Es wird auch um Effizienz gehen, schlussfolgern die Autoren des „Agrar Spezial“ zum Thema „Digital Farming“ im aktuellen Geschäftsbericht der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Vor allem um Effizienz in den Lieferketten, wenn heute nach FAO-Zahlen ein Drittel der Lebensmittelproduktion auf dem Weg zum Verbraucher verlorengeht oder verschwendet wird. Neue Technologien werden nötig sein; Innovationen, die dazu beitragen, dass der Landwirt seine Aufgaben erfüllen kann.

Landwirtschaft ist Vorreiter

Digitalisierung spielt dabei schon heute eine entscheidende Rolle – die Landwirtschaft ist laut dem Bericht Vorreiter. Doch wie stehen die Landwirte dazu? Welche Technologien des Digital Farming halten sie für sinnvoll oder setzen sie bereits ein? Wie hoch ist ihre Investitionsbereitschaft, wo sehen sie Hemmnisse? Die Rentenbank befragt dazu über 400 Landwirte in Deutschland, und diese zeigten sich durchaus aufgeschlossen: 80 Prozent erachten die Digitalisierung der Landwirtschaft für sinnvoll oder sehr sinnvoll. Der Einsatz von Traktoren mit GPS, Ackerschlagkarteien oder Drohnen in der Pflanzenproduktion ist für etliche Betriebe bereits Alltag. Von 420 befragten Landwirten verwenden bereits 38 Unternehmer Drohnen, unter anderem für die Wildrettung, den Schutz von Kulturpflanzen oder die Ertrags- und Nährstoffkartierung, so der Bericht.

Weit verbreitet ist die Digitalisierung auch in der Tierhaltung: In Melkroboter oder Herdenmanagementsysteme hat bereits ein Fünftel der Landwirte investiert oder plant dies kurzfristig.

Erleichterte Dokumentation

Hohe Auswirkungen der Digitalisierung erwarten die befragten Landwirte bei der Rückverfolgbarkeit von Produkten. 78 Prozent gehen davon aus, dass dies künftig einfacher werden wird. Mehr als zwei Drittel der Befragten erwarten positive Auswirkungen auf die Prozessdokumentation und eine umweltschonende Produktion.

Allerdings sehen die Landwirte auch Hemmnisse im Digital Farming: Vor allem hohen Anschaffungskosten beurteilen 76 Prozent der Ackerbauern kritisch, und sie bemängeln die mangelnde Kompatibilität der Produkte verschiedener Hersteller. Auch die bisher fehlende Breitbandversorgung in vielen Landstrichen sehen sie als Hindernis an, vor allem für Großbetriebe in den Regionen Ostdeutschlands.

Chancen überwiegen

Unter dem Strich überwiegen für gut die Hälfte der Befragten die Chancen der Digitalisierung. Dies gilt vor allem für Landwirte aus Veredelungs- und Futtermittelbetrieben und solchen mit einen abgeschlossenen Hochschulstudium. Acht von zehn Befragten aller Betriebe gehen davon aus, dass die Digitalisierung den Strukturwandel beschleunigen wird, da kleinere Betriebe eher nicht von der Digitalisierung profitieren würden. Gut jeder zweite erwartet ein besseres Verhältnis der Verbraucher zur Landwirtschaft. Etwa, weil die lückenlose Rückverfolgbarkeit erleichtert wird und Verbraucher über digitale Tools mehr Informationen über die Produkte der Landwirte erhalten können.

Agrar Spezial der Landwirtschaftlichen Rentenbank