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Landwirtschaft: Digitale Technologie ist Alltag

Landwirtschaft
10 Prozent der Landwirte in Deutschland nutzen Drohnen, etwa um Pflanzenschutzmittel gezielt einzusetzen. Foto: Adobe Stock

Ob Hightech-Landmaschinen, Agrar-Apps, Robotik oder Drohnen: Die Digitalisierung ist heute ein fester Bestandteil der Landwirtschaft. Mehr als 82 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland setzen digitale Technologien oder Anwendungen ein. Weitere 10 Prozent planen oder diskutieren dies. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und der Landwirtschaftlichen Rentenbank (LR), für die 500 Landwirte in Deutschland befragt wurden.

Agrar-Apps weit verbreitet

Besonders weit verbreitet sind aktuell GPS-gesteuerte Landmaschinen. 45 Prozent der Landwirte nutzen solche Maschinen. In den Betrieben, die Nutztiere halten, sind intelligente Fütterungssysteme bei fast jedem Zweiten im Einsatz. 40 Prozent aller Landwirte arbeiten mit Agrar-Apps. Ebenfalls 40 Prozent steuern ihren Betrieb mithilfe von Farm- oder Herdenmanagement-Systemen. Das intelligente und teilflächenspezifische Ausbringen von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln ist bereits bei jedem Dritten im Einsatz – so werden Ressourcen und die Umwelt geschont. Auf etwas geringerem Niveau bewegt sich der Einsatz von Robotertechnik (12 Prozent). Allerdings setzen bereits 21 Prozent der Milchviehbetriebe Melkroboter ein. Drohnennutzt jeder Landwirt.

Künstliche Intelligenz, etwa zur Auswertung großer Datenmengen aus der Bildverarbeitung oder zur Erkennung von Krankheiten bei Pflanzen und Tieren, findet sich in 9 Prozent der Betriebe. „Digitalisierung von einzelnen Prozessen oder Produktionsverfahren ist Alltag in der Landwirtschaft. Auch die neueren digitalen Technologien wie KI, maschinelles Lernen und Big Data werden erfolgreich in der Landwirtschaft eingesetzt“, erläutert DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken.

Chance für die Umwelt

Ein wichtiger Aspekt ist für viele Landwirte ist, dass Umwelt und Tiere vom Einsatz digitaler Technologie profitieren: Eine große Mehrheit ist davon überzeugt, dass auf diese Weise eine umweltschonendere Produktion möglich ist. Es besteht ihrer Ansicht nach eine große Chance für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Auch demTierwohl komme dies zugute. „Die landwirtschaftlichen Betriebe müssen steigenden Anforderungen an Tierwohl sowie Umwelt- und Verbraucherschutz gnachkommen und gleichzeitig im Wettbewerb bestehen. Digitale Technologien bieten die Chance, beides zu erreichen: effizienter und nachhaltiger zu produzieren. Das macht sie für die Agrarwirtschaft so interessant – und die Branche zu einem Vorreiter der Digitalisierung“, sagt Horst Reinhardt, Sprecher des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Mehr Transparenz

Aus Sicht der Landwirte sorgt die Digitalisierung auch für mehr Transparenz gegenüber den Verbrauchern: 88 Prozent der Befragten sagen dies. Deutlich weniger Landwirte nutzen jedoch digitale Techniken, um aktiv Verbraucher anzusprechen. Jeder vierte Landwirt ist in sozialen Netzwerken aktiv, jeder Fünfte hat eine eigene Website. 16 Prozent bieten eine Online-Rückverfolgbarkeit „vom Hof bis zum Teller“ an. 10 Prozent haben Webcams im Stall oder auf dem Feld installiert. 9 Prozent vermarkten ihre Produkte über eigene digitale Hofläden oder Plattformen. „Die Landwirte können per Internet zahlreiche Einblicke in die Gewinnung und Herstellung von Lebensmitteln geben – und für den Verbraucher damit einen Bezug zu seinem Essen herstellen. Das kann klein anfangen mit einer Webcam im Stall oder auf dem Acker. Das fördert Vertrauen auf Seiten der Verbraucher“, regt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder an.

Wenn es um die Zukunft geht, sehen immerhin 65 Prozent Webcams in allen Ställen als sehr weit verbreitet oder eher verbreitet an. Mehr als die Hälfte meint, dass mithilfe von Sensoren bis dahin die Nitratbelastung des Grundwassers komplett beendet wird. 46 Prozent rechnen mit autonomen Feldrobotern, die eigenständig Unkräuter, Krankheiten oder Schädlinge erfassen bzw. bekämpfen und 38 Prozent denken, dass fahrerlose Landmaschinen vollkommen selbstständig auf den Feldern im Einsatz sein werden.