Genossenschaften Kolumne

Manuel Andrack unterwegs mit der PSD-Bank

Gemeinsam unterwegs: Manuel Andrack wanderte mit Kunden der PSD-Bank im Saarland.

Wenn man von der genossenschaftlichen Bankenwelt spricht, denkt man zunächst an die 875 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland. Allerdings gehören noch einige andere Banken zur Familie: die GLS-Bank, die Sparda-Bank, die PSD-Bank. Einmal im Jahr treffen sich in Berlin die Vertreter der genossenschaftlichen Bankinstitute auf der bankwirtschaftlichen Tagung, eine Art Klassentreffen. Bei dieser Gelegenheit lernte ich Dieter Jurgeit kennen, eine rheinische Frohnatur, ein Mann, der wirklich auf Zack ist.

Dieter Jurgeit ist der Verbandschef aller 14 PSD-Banken in Deutschland. Der oberste PSDler hat mir in Berlin einiges über die interessante Geschichte der Bank erzählt, die zwei Väter hat: Friedrich Wilhelm Raiffeisen ist der eine Vater, allerdings sind die PSD-Banken erst seit gut 20 Jahren genossenschaftlich organisiert. Gegründet wurde die Bank 1872 als Post Spar- und Darlehenskasse (daher die Initialen PSD) von Heinrich von Stephan. Nicht zu verwechseln mit der Postbank, denn die PSD-Banken standen in den ersten 125 Jahren ihres Bestehens ausschließlich Post-Mitarbeitern offen.

Heinrich von Stephan ist der Tausendsassa des deutschen Postwesens. Er begann als kleiner Postangestellter, machte Karriere und revolutionierte die Post, ein Top-Topmanager seiner Zeit. Heinrich von Stephan schaffte es, das 400 Jahre alte Postmonopol der Familie Thurn und Taxis zu knacken, er erfand die Postkarte (gegen den Widerstand des Bürgertums, wo kommen wir da hin, wenn die Dienerschaft mitlesen kann), er erfand das Einschreiben, er vereinfachte die Pakettarife (von denen es vor seiner Zeit 1.700 unterschiedlich gegeben hatte), er initiierte das erste Rohrpostsystem Deutschlands (hat sich nicht durchgesetzt), förderte direkt nach der Erfindung des Telefons dessen Verbreitung (hat sich durchgesetzt) und erfand wie schon erwähnt die Post Spar- und Darlehenskasse.

PSD-Bank seit 20 Jahren Genossenschaft

Nachdem die PSD-Banken vor 20 Jahren genossenschaftlich wurden, öffnete man sich und erweiterte sein Kundenspektrum auf alle nicht-selbstständigen Berufe. Berühmt ist man als Baufinanzierer geworden und erfolgreich in einer Art Hybrid-System – einerseits hat man als eine Art Direktbank einen heißen Draht zu seinen Kunden, online und per Telefon. Andererseits ist die Bank an ausgewählten Standorten präsent. In meiner Wahlheimat ist die PSD-Bank RheinNeckarSaar aktiv, die nach Fusionen weite Teile von Baden-Württemberg und das Saarland abdecken. In diesem riesigen Gebiet gibt es drei Standorte: Stuttgart, Freiburg, Saarbrücken. Das reicht, um erfolgreich zu sein. Ein besonderes Merkmal der PSD-Banken ist das soziale Engagement – die Gewinne der Bank kommen nicht nur als Dividende den Mitgliedern zu Gute, sondern auch behinderten und sozial schwachen Mitmenschen.

In den letzten Monaten habe ich auf zahlreichen Vertretersammlungen der PSD-Banken Vorträge über meine genossenschaftliche Deutschland-Reisen gehalten. Ich hatte den Eindruck, dass nicht nur die Banker selber, sondern auch die Mitglieder-Vertreter der Bank das genossenschaftliche Element ihrer Bank 100-prozentig mittragen. Ende Mai bin ich mit knapp 100 PSD-Bank-Kunden in der Nähe von Saarbrücken gewandert. Ich weiß nicht, ob ich die Strecke solo geschafft hätte. Aber im Sinne Raiffeisens haben wir unser Ziel erreicht, wir sind so fröhlich zusammen gewandert, das hätte alleine nicht so viel Spaß gemacht – was man auf einer einsamen Wanderung nicht schafft, das schaffen viele.