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Metropolen wachsen langsamer

Metropole
Immer mehr Menschen kehren der Großstadt den Rücken und möchten im Umland leben. Foto: Jan Antonin Kolar/unplash

Die Bevölkerung in Deutschland wird bis zum Jahr 2035 besonders in den Ballungsräumen wachsen, wenn auch nicht mehr so stark. Die Coronakrise dämpfe die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland in die Großstädte. Damit rechnet zumindest das Hamburger Gewos Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung. Zudem wanderten Menschen zunehmend in das Umland ab. Die Pandemie hat dem Forschungsinstitut Prognos zufolge tiefe ökonomische Folgen für alle Regionen. In einer Langfristprognose sagen die Autoren aber gerade dem Umland einiger Metropolen gute Wirtschaftsaussichten voraus – darunter mehreren Landkreise im Osten.

Nachfragedruck steigt im Umland

Nicht mehr alle Großstädte werden in den nächsten Jahren kräftig wachsen, prognostiziert Gewos. Deutliche Bevölkerungszuwächse bis 2035 sieht das Institut für Berlin (+6,6 Prozent), Frankfurt (+6,2), Hamburg (+4,7) und Köln (+4,8). In München (+4,0 Prozent) stoße das Wachstum indes an Grenzen und schwäche sich ab, so die Studie. „Trotz reger Neubautätigkeit kann das dortige Wohnungsangebot nicht mit der externen Nachfrage Schritt halten, sodass sich der Nachfragedruck weit in die Region hinein erstreckt“, schreiben die Autoren. Düsseldorf (+0,9 Prozent) und Stuttgart (+2,6 Prozent) wachsen demnach künftig nur wenig.

Das Bevölkerungswachstum wird laut Gewos von einer nachlassenden Zuwanderung aus dem Ausland dieses Jahr und 2021 gedämpft. Dies wird als eine Folge der Coronakrise beschrieben. „Firmen sind vorsichtig bei Neueinstellungen, zudem haben Reisebeschränkungen die Mobilität gebremst“, sagte Gewos-Geschäftsführerin Carolin Wandzik. Weniger Zuwanderung aus dem Ausland könne vorübergehend Druck von den Wohnungsmärkten in Städten nehmen. Ab 2022 diese zwar wieder zunehmen, aber nicht mehr das Ausmaß des vergangenen Jahrzehnts erreichen.

Auch Ostdeutschland ist attraktiv

Dem Umland mehrerer Metropolen sagt auch das Prognos-Institut gute wirtschaftliche Zeiten voraus. Die Regionen um Berlin und München haben die besten Wachstumsaussichten nach der Coronakrise, heißt es in Langfristprognose bis 2030. Die Studie prognostiziert das Wirtschaftswachstum sowie die Beschäftigtenentwicklung in den 401 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten. Ostdeutschland ist gleich mehrfach unter den zehn Wachstumssiegern bis 2030 vertreten – darunter Potsdam, der Landkreis Dahme-Spreewald mit dem neuen Flughafen BER und der Landkreis Oder-Spree mit der künftigen Fabrik des US-Elektroautoherstellers Tesla. Sie profitieren von der Ansiedlung großer Firmen und der Nähe zur Hauptstadt Berlin.

Auch München strahlt mit seiner Wirtschaftskraft weit ins Umland ab, schreiben die Prognos-Autoren. In Bayern sagen sie den Landkreisen Dachau, Ebersberg und Erding die besten Wachstumsaussichten vorher. Ökonomisch leistungsfähige Regionen werden demnach auch nach der Corona-Krise wieder stärker wachsen. Das gelte etwa für die Metropolen Berlin, München, Hamburg und Köln, aber auch für Jena, Kassel, Darmstadt, Augsburg, Essen oder Münster.

Bevölkerungswachstum der Metropolen im Süden

In Sachen Bevölkerungswachstum und damit auch Potenzial für mehr Wirtschaftskraft sieht Gewos fast ganz Süddeutschland im Vorteil gegenüber dem Norden und Osten. So werde die Bevölkerung in Bayern bis auf wenige strukturschwache Regionen im Nordosten bis 2035 um bis zu 10 Prozent steigen. Aufwärts gehe es auch in weiten Teilen Baden-Württembergs, im Rhein-Neckar- und im Rhein-Main-Gebiet, in Hannover sowie im „VW-Land“ bei Wolfsburg und Braunschweig. Als Wachstumsinseln in Regionen mit weitgehend stagnierender oder rückläufiger Bevölkerung sieht das Institut Köln und Düsseldorf im Westen sowie Leipzig und Dresden im Osten. Schrumpfende oder stagnierende Regionen gebe es auch im südlichen Niedersachsen, in Nordhessen, im Saarland, im Ruhrgebiet sowie in Schleswig-Holstein.

Während Wachstumsregionen vor dem Problem stünden, genug bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und Zuwanderer zu integrieren, ließen sich Einwohnerverluste kaum umkehren, so die Gewos-Studie. Hier gelte es, bestehende Strukturen an eine schrumpfende und alternde Bevölkerung anzupassen. (dpa)