Wirtschaft

Mobilität: Mehr radeln, weniger Reisen

Mobilität
Lieber mit dem Rad - eine der positiven Seiten der aktuellen Situation. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Viele Bürger wollen einer Umfrage zufolge auch nach der Coronakrise häufiger mit dem Fahrrad fahren. Dagegen wollen nur wenige auf Flugreisen verzichten oder generell weniger reisen. Das ergab der aktuelle „Mobilitätsmonitor 2020“ – eine Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Acatech zur Mobilität der Menschen in Deutschland. Zugrunde lag eine repräsentative Umfrage unter 1.237 Menschen im Sommer dieses Jahres.

Corona ändert Verhalten

Die Art und Weise der Mobilität der Bürger hat sich demnach wegen der Coronakrise geändert. Knapp die Hälfte der Befragten unternimmt in diesem Jahr weniger Reisen, 40 Prozent verzichteten gänzlich auf Auslandsreisen und 39 Prozent auf Flugreisen. Die Bundesregierung hat viele Länder wegen hoher Infektionszahlen als Risikogebiete ausgewiesen.

Der Radius der Mobilität habe sich verringert, davon profitiere vor allem das Fahrrad. Der Anteil der Bevölkerung, der täglich das Fahrrad nutze, sei gegenüber der Umfrage 2019 von 17 auf 22 Prozent gestiegen. 27 Prozent der Befragten möchten auch nach der Krise öfter mit dem Fahrrad fahren. Nur 10 Prozent wollen keine Flugreisen mehr machen.

Interesse an E-Autos steigt

Beliebtestes Fortbewegungsmittel bleibt das Auto. 9 von 10 Befragten nutzen regelmäßig einen Pkw, 52 Prozent täglich. Elektromobilität wird laut der Befragung von vielen weiterhin kritisch gesehen, unter anderem wegen hoher Anschaffungskosten (72 Prozent), unzureichender Ladeinfrastruktur (69 Prozent) oder geringen Reichweiten (60 Prozent). Mit 59 Prozent bezweifeln sogar mehr Befragte als noch im Vorjahr (48 Prozent), dass das E-Auto wirklich eine umweltverträgliche Alternative ist. Seit 2019 stieg der Anteil der Bevölkerung, für den die Anschaffung eines E-Autos in Betracht käme, dennoch von 21 auf 24 Prozent.

Deutlich größer ist die hingegen die Bereitschaft, auf ein Hybridfahrzeug umzusteigen: Mehr als ein Drittel (36 Prozent) kann sich diesen Schritt vorstellen. Zwar erwartet jeder zweite Befragte (53 Prozent), dass sich die Elektromobilität durchsetzen wird, dies aber nur von knapp jedem Vierten (24 Prozent) gewünscht. „Beim Thema Elektromobilität klaffen enorme Unterschiede zwischen der Realität und der Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürgern. Wir sind aufgefordert, besser und verständlicher zu kommunizieren und die Öffentlichkeit noch stärker in die Transformationsprozesse der Mobilität einzubeziehen“, kommentiert Acatech-Vizepräsident Thomas Weber.

Klimaschutz fest in den Köpfen verankert

Das Thema Klimaschutz ist laut der Studie fest in den Köpfen der Menschen verankert. Für 59 Prozent der Bevölkerung zählen Umwelt- und Klimaschutz zu den besonders dringlichen politischen Anliegen. 63 Prozent halten es für besonders wichtig, schadstoffarme Antriebssystem für Autos und Lkws einzusetzen, 61 Prozent sprechen sich für die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und 60 Prozent für die Entlastung der Straßen durch Verlagerung des Güterverkehrs auf Schienen- und Wassersweg aus. Die große Mehrheit davon überzeugt, dass der technologische Fortschritt wesentlich dazu beitragen kann, die Klimabelastung zu vermindern. Eine wachsende Minderheit (von 26 auf 33 Prozent) glaubt zudem daran, dass veränderte Mobilitätsmuster und -optionen den Klimaschutz deutlich voranbringen können.