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Neues Testverfahren für Weinqualität

Weinqualität
Ein neues Messverfahren für den Zuckergehalt der Trauben testen württembergische Genossenschaften in einem Forschungsprojekt. Foto: BWGV

Quantensprung in Sachen Traubenqualität: Der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk MdL hat sich bei der Felsengartenkellerei Besigheim eG in Hessigheim (Landkreis Ludwigsburg) eine neue Methode in der Praxis angeschaut, mit der die Qualität des Leseguts genau gemessen werden kann. Das innovative Verfahren ermöglicht es mittels Infrarot-Technik, viele Inhaltsstoffe ergänzend zu den berühmten Grad Oechsle direkt bei Anlieferung der Trauben in der Genossenschaft exakt zu bestimmen. Dies bewirkt zum einen, dass die Güte des von den Winzern und Weingärtnern angelieferten Traubenguts nun noch besser beurteilt werden kann, und zum anderen, dass kritische Partien etwa durch Schädigung mit Sonnenbrand gesondert verarbeitet werden können. Diese Innovation trägt zudem zur Digitalisierung in der Weinwirtschaft bei.

Weinqualität gesichert

„Damit haben die Kellereien ein wirksames Instrument in der Hand, die angelieferten Trauben gezielt zu verarbeiten und gegenüber den Winzern und Weingärtnern eine faire Einstufung der gelieferten Trauben vorzunehmen. Die Qualität des Weins lässt sich somit konsequent und nachhaltig sichern“, lobt Minister Hauk in Hessigheim.

„Durch die unkomplizierte und sehr schnelle Infrarot-Messung schon während der Traubenannahme lassen sich umfangreiche Parameter erfassen, die für einen Oenologen von größtem Wert sind. Kritische Partien können ebenso wie besonders positives Traubenmaterial konsequent selektioniert werden. Das Ergebnis ist eine deutlich bessere Qualität des Weins“, erläutert Ute Bader, Weinbauberaterin und stellvertretende Bereichsleiterin Beratung Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften beim Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV). Gemeinsam mit Hermann Morast koordiniert sie das mit knapp 440.000 Euro von der Landesregierung geförderte Projekt des BWGV.

Praxistest in zwei Genossenschaften

Die neue Methode wird derzeit bei den beiden Genossenschaften Felsengartenkellerei Besigheim und Badischer Winzerkeller in Breisach auf seine Praxistauglichkeit erprobt – mit sehr überzeugenden Ergebnissen. Mit Hilfe der Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) wird der Gesundheits- und Reifezustand der Trauben bei der Annahme im Kelterhaus mittel des LVWO-Index‘ gemessen. Dieser wurde von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg entwickelt und setzt sich aus insgesamt vier Parametern zusammen: Gluconsäure, Essigsäure, Glycerin und Ergosterin. Durch diese Methode gelangt nur qualitativ hochwertiges Lesegut in die Weiterverarbeitung.Das Projekt „Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) als innovative Messmethode zur Beurteilung der Traubenqualität in Zeiten des Klimawandels“ ist ein Vorhaben des Maßnahmen- und Entwicklungsplans Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2014 bis 2020 (MEPL III). „Es wurde durch den Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband gemeinsam mit verschiedenen Akteuren der genossenschaftlichen Weinwirtschaft im Jahr 2017 initiiert“, erläutert Dr. Ansgar Horsthemke, Generalbevollmächtigter und Bereichsleiter Beratung Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften des BWGV. Das Projekt läuft noch bis zum 31. Dezember 2021. Aufgrund der bisherigen sehr positiven Ergebnisse haben sich die Lembergerland Kellerei Rosswag eG, die Lauffener Weingärtner eG und die Genossenschaftskellerei Heilbronn eG bereits im diesjährigen Herbst für die Investition in die neue Technologie entschieden.