Regional Wirtschaft

Obst bleibt teuer

Ernte
Erdbeeren: Die Ernte startete schwierig, läuft dank der Erntehelfer nun aber gut. Foto: Patrick Pleul/dpa

Angesichts der Coronakrise müssen Verbraucher weiter mit hohen Preisen für Obst und Gemüse rechnen. Trotz der Lockerung von Alltagsbeschränkungen bleibt die Lage auf dem Lebensmittelmarkt aus Expertensicht aber unsicher. „Es wurde nicht weniger gegessen“, sagte der Generalsekretär des Bauernverbands, Bernhard Krüsken. Gewechselt hätten aber die Absatzkanäle – mit einem Ausfall der Gastronomie und starken Zuwächsen im Einzelhandel.

Hohe Erntekosten

Die Teuerung bei frischen Lebensmitteln blieb im Juni hoch, sagte Hans-Christoph Behr von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Treiber seien weiterhin Obst, Schweinefleisch und Fleischwaren, in geringerem Maße auch Gemüse. So war im Juni nach bisherigen Daten frisches Obst rund 20 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Auf der anderen Seite sinke ab Juli die Mehrwertsteuer von 7 auf 5 Prozent. Hintergrund von Preissteigerungen sei auch zusätzlicher Gesundheitsschutz für Saisonkräfte aus dem Ausland. Wahrscheinlich blieben die Erntekosten bei Gemüse im ganzen Sommer auf höherem Niveau als zuvor.

In Privathaushalten dürften nun zunächst haltbare Lebensmittel wie Konserven aufgebraucht werden, was den Absatz der Supermärkte etwas drücken könnte. Nach der wochenlangen Schließung von Restaurants und Kantinen laufe die Öffnung teils zögerlich. Wegen Coronaauflagen lohne sich das gar nicht für jeden Betrieb. Auch die absehbare Konjunkturschwäche mit Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit werde dem Außer-Haus-Verzehr sicher schaden, erläuterte Behr.

Sonderregelungen verlängert

Mit der Sonderregelung für die Landwirtschaft wegen der Coronakrise sind im Frühjahr insgesamt 40.300 Saisonkräfte aus dem Ausland nach Deutschland gekommen. Das teilte der Bauernverband nach Daten der Bundespolizei mit. Damit wurde das mögliche Kontingent von bis zu 80.000 ausländischen Erntehelfern zur Hälfte ausgeschöpft. 2.300 Landwirtschaftsbetriebe hatten Einreisen angemeldet. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte, die Sonderregelung sei wegen der geschlossenen Grenzen extrem wichtig für die Betriebe gewesen. Nur so hätten sie die Bevölkerung mit heimischen Nahrungsmitteln versorgen können.

Angesichts drohender Engpässe hatte die Bundesregierung die begrenzte Einreise von Saisonkräften nur per Flugzeug erlaubt. Damit verbunden waren strenge Vorgaben zum Gesundheitsschutz. Die Sonderregelung für April und Mai wurde einmal verlängert und lief Mitte Juni aus. Seit 16. Juni können Erntehelfer aus EU-Ländern auch wieder auf dem Landweg und „ohne die bisherigen Beschränkungen“ einreisen, wie ein Konzept von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) festlegt. Die Regeln gelten weiterhin mit Corona-Schutzvorgaben bis Jahresende. Klöckner mahnte eine strikte Einhaltung der Vorgaben an, die weiter wichtig seien. „Wir sind nicht in der Zeit vor Corona.“ Es gehe darum, dass alle Beteiligten geschützt seien. Das neue Konzept, das Klöckner im Kabinett vorstellte, sieht zum Schutz vor Infektionen den Grundsatz „zusammen arbeiten, zusammen wohnen“ vor. Saisonkräfte sollen von Anfang an in kleine feste Teams eingeteilt werden. Bauernpräsident Joachim Rukwied begrüßte die Folgeregelung und betonte: „Hygiene- und Abstandsregeln sind weiterhin strikt einzuhalten.“

Frust und Frost bei Spargel und Erdbeeren

Das Fehlen von Erntehelfern hat sich auch auf die Klassiker des Frühsommers ausgewirkt. Das sonnige Frühjahr hatte beispielsweise in Nordrhein-Westfalen den Spargel früh sprießen lassen. Zuerst habe der April sich noch von seiner sonnigen Seite gezeigt, und das Edelgemüse sei „überdurchschnittlich“ gesprießt, heißt es aus der Landwirtschaftskammer. Dann kamen aber die Schließungen der Restaurants und sehr viel weniger osteuropäische Erntehelfer konnten einreisen – ein trübes Jahr für die Spargelbauern.

Nicht ganz so dramatisch sehe es bei den nordrhein-westfälischen Erdbeeren aus, erklärte Lea-Kathrin Piepel von der NRW-Landwirtschaftskammer. Es gebe zwar regionale Unterschiede, „insgesamt läuft es aber besser als vor Beginn der Coronazeit erwartet“. Vereinzelt habe Frost die Ausreifung der Erdbeeren verlangsamt, nun tue aber das relativ trockene Wetter den Beeren in der Haupterntezeit gut.