Genossenschaften

Was wären wir ohne Genossenschaften?

Genossenschaften
Ein Bild aus früheren Tagen: Manuel Andrack im Rewe-Supermarkt. Foto: Juliane Herrmann

Was würde ich in den Zeiten der Corona-Krise ohne die Genossenschaften machen? Morgens klingelt der Wecker nicht ganz so früh wie sonst, aber der morgendliche Gang zum Bäcker um die Ecke gehört zum Ritual. Ich kaufe frische Croissants und ein Brot, hergestellt mit den Zutaten der Bäko eG (Bäcker- und Konditorengenossenschaft), Deutschlands größtem Zulieferer für Teigprodukte. Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Auto meiner Carsharing-Firma (genossenschaftlich!) hinaus ins Grüne, denn sich täglich an der frischen Luft zu bewegen ist das Gebot der Stunde. Das macht nicht nur Spaß, sondern verleiht dem Körper eine gewisse Immunität gegen das fiese Virus.

Forst- und Energiegenossenschaften

Bei der kurzen Wanderung mit der Familie durch den Wald erfreue ich mich an der Schönheit unserer heimischen Wälder, die oft durch Forstgenossenschaften gepflegt und bewirtschaftet werden. Natürlich wird auch der eine oder andere Baum gefällt. Aber wenn man die Wahl hat, sitzt man lieber an einem Holztisch als an einem Möbel aus Plaste und Elaste, oder? Und meine Pelletheizung im Keller braucht auch Holz als Brennstoff. Beim Thema Energie bin ich dankbar dafür, dass dank der Windräder meiner Bürgerenergiegenossenschaft eine nachhaltige Stromversorgung auch in Krisenzeiten überhaupt kein Problem ist.

Die Einkaufslandschaft

Nach dem kurzen Waldspaziergang gehe ich einkaufen, bei Rewe und Edeka, den großen Einkaufsgenossenschaften Deutschlands. Angela Merkel hat in ihrer legendären Fernsehansprache Ende März ausdrücklich denjenigen gedankt, deren Arbeit normalerweise nicht ausreichend geschätzt wird – den Mitarbeitern der Supermärkte, den Kassiererinnen und Regalauffüllern, denjenigen also, die den „Laden im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen halten.“ Ich bin froh, dass ich alle Artikel des täglichen Bedarfs (auch Klopapier!) in „meinen“ Supermärkten bekomme. Und wer hat die meisten frischen Lebensmittel, die in den Regalen liegen, produziert? Die Nahrungsmittel kommen von landwirtschaftlichen Betrieben, die meisten haben sich in den großen Agrargenossenschaften Deutschlands vernetzt – Baywa, Agravis, RWZ, ZG Raiffeisen, um nur die größten zu nennen. Auf dem Rückweg nach Hause schaue ich kurz in der Burg-Apotheke vorbei, die sich wie die meisten Apotheken Deutschlands von der Noweda in Essen beliefern lässt. Die Apotheker sind die Genossenschafter der Noweda und profitieren von der schnellen Belieferung mit Medikamenten.

Wein, Wohnen und Gesang

Zurück daheim fülle ich am Schreibtisch eine Bürgschaft aus, meine Tochter hat gerade eine tolle Wohnung zu einem sehr fairen Preis auf dem umkämpften Wohnungsmarkt in Berlin ergattert. Bei einer Wohnungsbaugenossenschaft. Weiter geht es am Schreibtisch, ich schreibe an meinem neuen Buch „Mein Jahr als Narr“, das im November bei dtv erscheint. Ich bearbeite das Kapitel, in dem ich mir den Mainzer Fastnachtsumzug vor Ort angesehen habe. Bei der Recherche sehe ich, dass die Meenzer Fassenacht genossenschaftlich organisiert ist, in der Mainzer Fastnachts eG. Darauf ein dreifaches Raiffeisen Helau! Nachmittags geht es noch einmal kurz an die frische Luft, die Familie fährt mit Fahrädern, gekauft in Geschäften der Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft ZEG. Raiffeisen-Radeln sozusagen. Abends lese ich ein Buch (nicht genossenschaftlich) und kann mich als Begleitwein nicht zwischen einem Spätburgunder der ältesten Winzergenossenschaft der Welt von der Ahr und einem Silvaner von der fränkischen Weingenossenschaft Divino entscheiden. Salomonische Entscheidung: Ich trinke von beiden Pullen ein Glas. Ich erhebe mein Glas auf baldige Besserung der Krisensituation und darauf, dass trotz vieler Einschränkungen unser Leben (auch) dank der Idee Raiffeisens so gut funktioniert.