Regional VR-Bank

Reise nach Indien in Zeiten von Corona

Reise
Zu Besuch im Unterricht: Ludger Efting von der VR-Bank Westmünsterland besuchte mit der Reisegruppe eine Schule.

Die  Coronakrise macht Reisen weltweit unmöglich, gilt doch seit dem 17. März nach wie vor eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Länder außerhalb Europas. Nur elf Tage zuvor flog Ludger Efting, Privatkundenberater bei der VR-Bank Westmünsterland im KompetenzCentrum Coesfeld, mit einer Gruppe aus Coesfeld auf eine lange geplante Reise nach Indien. Damit erfüllte er sich einen Traum: „Ich wollte schon immer Indien mit seinen Menschen kennenlernen.“

Die Gruppe, bestehend aus 14 Männern und Frauen, machte sich am 6. März auf die Reise, kurz bevor die Coronakrise auch in Deutschland zum alles beherrschenden Thema wurde. Die Coesfelder bekamen einen Einblick in das Leben der Menschen abseits der großen Sehenswürdigkeiten. Schließlich führte der Inder Yashendu Goswami, der seit sechs Jahren in Coesfeld lebt, die Reisegruppe durch seine Heimatstadt Vrindavan.

Kostenloser Schulbesuch für bedürftige Kinder

Die Familie von Goswami betreibt in der Stadt mit 80.000 Menschen im Norden des Subkontinents ein Restaurant, ein Gästehaus und eine Schule für KKinder, deren Eltern sich das Schulgeld für ihren Nachwuchs nicht leisten können. 250 Kinder werden an der Schule unterrichtet. Sie kommen in den Genuss eines kostenlosen Schulbesuchs und eines warmen Mittagessens. Die Schule finanziert sich aus Spenden und der Arbeit der Familie Goswamis.

„Mich hat der respektvolle Umgang zwischen Schülern und Lehrern im täglichen Schulalltag beeindruckt“, sagt Efting. Jeder Tag beginnt mit einer Yogaeinheit, die die Kinder auf den Unterricht einstimmt. Auch in puncto Essen vermittelte die Reise neue Perspektiven. Schließlich versteht sich Vrindavan als Ort, an dem ausschließlich vegetarisch gegessen wird: „Das Essen war phantastisch und sehr abwechslungsreich. Es gab sehr viel Reis, Linsen und Gemüse, das schmackhaft zubereitet wurde.“

Auch von der Begegnung mit den Indern war Efting angetan: „Die Inder sind sehr gelassen, obwohl es in den engen Gassen der Stadt laut ist und immer großes Gewusel herrscht.“ Dennoch komme keine Hektik auf. Die Menschen seien diszipliniert. Vrindavan ist in Indien zwar bekannt, dennoch gibt es nicht viele ausländische Touristen. Die Hare-Krishna-Bewegung unterhält dort einen ihrer größten Tempel. Das Interesse an den Coesfeldern war groß: „Viele Inder wollten Selfies mit uns machen“, sagt Efting. Während der Reise erlebte die Reisegruppe auch das Farbenfest Holi, das junge Menschen ausgelassen feiern.

Taj Mahal vorübergehend geschlossen

Ein Höhepunkt der Reise war der Besuch des weltberühmten Palastes Taj Mahal, der als Wahrzeichen Indiens gilt. Er zählt zu den sieben Weltwundern der Moderne. Mittlerweile wäre ein Besuch des wichtigsten Touristenmagneten nicht mehr möglich. Mit dem Lockdown des Landes sind in Indien auch alle touristischen Attraktionen gesperrt worden. „Während unseres Besuches wurde viel über Corona und über einen möglichen Lockdown des Landes gesprochen“, erklärt Efting.

Die Folgen bekam die Reisegruppe auch zu spüren. Der ursprünglich geplante Rückflug mit der Lufthansa wurde abgesagt. Nachdem die Lufthansa einen weiteren Flug storniert hatte, flog die Gruppe am 17. März mit der Airline Etihad über Abu Dhabi zurück nach Deutschland. Seit 24. März herrscht in Indien der Ausnahmezustand: Die Schule, das Restaurant und das Gästehaus der Familie Goswami in Vrindavan sind geschlossen.

Viele Menschen in existenzieller Not

Viele Menschen geraten in der aktuellen Situation in existenzielle Not. Eine soziale Absicherung wie in Deutschland existiert in Indien nicht. Das bekommen auch die Schulkinder und ihre Eltern zu spüren. Viele Menschen sind im Moment ohne Einkommen und können ihre Familie nicht ernähren.

Mittlerweile stellt die Familie von Goswami Essenspakete für bedürftige Menschen zusammen. Die Aktion wird von der lokalen Polizei unterstützt, die die Pakete in der Stadt an die Menschen verteilt. Auch Freunde und Geschäftsleute beteiligen sich mit Spenden an dieser Aktion. So bekommen 500 Familien täglich Essenspakete nach Hause geliefert, die ihnen das Überleben während der Coronakrise ermöglichen.