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Schule als sozialer Ort

Gemeinsam lernen: In Klassen mit vier Jahrgängen lernen und Kinder mit und ohne Förderbedarf ganz selbstverständlich miteinander.

Die Maria Montessori Grundschule in Coesfeld ist offen für Neues, vertraut aber auch auf bewährte Lernmittel.

Selbst ein Leerstand kann zu einem echten Glücksfall werden. So wie 2007 in Coesfeld, als das Land Nordrhein-Westfalen für das ehemalige Finanzamt in Coesfeld einen neuen Nutzer suchte und zugleich eine engagierte Elterninitiative Ausschau nach geeigneten Räumlichkeiten hielt. Ihr Ziel: die erste inklusiv arbeitende Montessori-Grundschule der Kreisstadt zu gründen. Eine vergleichbare Einrichtung gab und gibt es nur in wenigen anderen Orten der Region.

Erstaunlich schnell waren sich beide Seiten einig, aber es blieb noch viel zu tun – und das in kürzester Zeit. Aus dem Bürogebäude, entstanden in den 1920er-Jahren, musste zügig eine moderne Schule werden. Neben umfangreichen Umbauten im Innern betraf dies insbesondere auch das Außengelände: „Wo heute unsere Kinder spielen, war nur grüner Rasen, sonst nichts“, erinnert sich Schulleiterin Annette Bohmert, die bereits zu den damaligen Gründervätern und -müttern zählte.

Mit ins Spiel kam direkt die Bildungsinitiative der VR-Bank Westmünsterland: Neben einem großen Sandbereich finanzierte sie den beliebten Niedrigseilgarten, der die kindliche Motorik fördert und für das besondere Konzept der Ganztagsschule steht. Ein erfülltes Miteinander, über das gemeinsame Lehren und Lernen hinaus, hat sich die Schule auf die Fahnen geschrieben. Mit weiteren wichtigen Sponsoren und Förderern begleitet und unterstützt die Bildungsinitiative seither die Schule, die bereits im August 2008 die ersten 23 Kinder aufnehmen konnte.

Bildungsinitiative hilft

Als eine der ersten Grundschulen in Coesfeld setzte die Montessori-Schule von Beginn an sogenannte „Whiteboards“ im Unterricht ein: Elektronische Tafeln, die ein virtuelles Arbeiten ermöglichen und moderne Medien in das Klassenzimmer holen. Als im Jahr 2017 dafür neue Beamer angeschafft werden mussten, war die Bildungsinitiative unbürokratisch zur Stelle. Zuletzt förderte sie auch die Programmier-AG, indem sie Lego-Module spendete: Mit den „WeDo“-Sets können die Kinder seither kleine Roboter bauen und programmieren, wobei sie sich auch schon auf die späteren naturwissenschaftlichen Fächer vorbereiten. Im Unterricht kommen mehrere Erfahrungsbereiche zusammen: „Es ist wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler moderne Technik kennenlernen, aber Lernen hat vor allem auch mit Begreifen zu tun“, betont Annette Bohmert.

Deshalb sind einige zentrale Lernmittel, im Gegensatz zur aktuellen Roboter- und Computertechnik, bereits viele Jahrzehnte alt: Das bewährte Material, das von der italienischen Pädagogin Maria Montessori, der Namensgeberin der Schule, entwickelt wurde, spielt im Unterrichtsalltag eine große Rolle. Der Vorteil: es ist besonders anschaulich und ermöglicht fortlaufende Eigenkontrolle. So können sich die Kinder eigenständig Lernziele setzen und diese dann für sich erarbeiten, etwa um Zahlenräume und Dimensionen zu erfassen oder sich grammatikalische Inhalte zu veranschaulichen. Im Fachunterricht, der im Klassenverband erfolgt, wird gemeinsam gelernt. Eine konsequente Leistungserziehung bereitet auf die weiterführende Schule vor, wobei es ganz entscheidend ist, dass die Kinder Verantwortung für den eigenen Lernweg übernehmen und eigene Stärken, aber auch Schwachpunkte selbständig im Blick haben.

Konkrete Erfahrungen machen

Virtuelle Welten können diese konkrete Erfahrungen nicht ersetzen, ebenso wenig wie die persönliche Begegnung, ist Schule doch auch ein sozialer Ort. Schließlich verbringen die 94 Kinder der Schule den Großteil ihres Tages in einer überschaubaren, harmonischen Umgebung. Und sie begehen auch besondere Anlässe miteinander: Für Inszenierungen, Aufführungen und Veranstaltungen schuf die Bildungsinitiative der VR-Bank Westmünsterland im Jahr 2010 buchstäblich die Basis: Flexibel einsetzbare Elemente können zu einer Bühne gruppiert werden oder einen Laufsteg für karnevalistische Kostümfeste bilden; aber auch Sitzgruppen lassen sich daraus gestalten.


„Es ist wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler moderne Technik kennenlernen, aber Lernen hat vor allem auch mit Begreifen zu tun“

Annette Bohmert, Maria-Montessori-Grundschule Coesfeld

In vier jahrgangsgemischten Klassen lernen und leben Kinder mit und ohne Förderbedarf ganz selbstverständlich miteinander. Sie nehmen Rücksicht aufeinander, unterstützen sich gegenseitig, erwerben soziale Kompetenzen und tragen Verantwortung für die Gemeinschaft – das alles nach dem Montessori-Prinzip „Hilf mir, es selbst zu tun“. Pro Klasse haben die Mädchen und Jungen vier erwachsene Lehrkräfte und Ansprechpartner. Derzeit leisten fünf junge Menschen ihren Bundesfreiwilligendienst an der Schule und sammeln wertvolle Erfahrungen als Integrationshelfer. Und sie alle freuen sich über das frisch zubereitete Essen, das aus der schuleigenen Küche stammt. Heute ist die Maria Montessori Grundschule ein Lernort im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation, der in zehn Jahren vom Experiment zur Institution geworden ist – auch mit Hilfe seiner Förderer. „Bildung ist unsere wichtigste Ressource. Gerade Kinder haben einen natürlichen Wissensdrang und eine große Neugier, sie haben Freude am Forschen und am Erlernen neuer Fähig- und Fertigkeiten. Dies wollen wir mit unserer Initiative über den Schulunterricht hinaus gezielt fördern“, erläutert Thomas Borgert von der VR-Westmünsterland Bildungsinitiative.

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