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Sparplan: Mit kühlem Kopf durch den Crash

Sparplan
Kühlen Kopf bewahren: Mit Sparplänen kommen Anleger gut durch Niedrigkursphasen. Foto: Pixabay

Jeder Crash kommt scheinbar aus dem Nichts. Bis Ende Februar ließ die aufkommende Coronakrise die Investoren rund um den Globus kalt. Noch im Februar feierten die Börsen neue Höchststände. Als Norditalien immer stärker in den Blickpunkt der Pandemie rückte, war klar, dass die Coronakrise auch in den westlichen Industriestaaten angekommen war. Plötzlich kippte die Stimmung und es folgte ein beispielloser Absturz der Aktienmärkte. Bei Anlegern mit Sparplan wirft das Fragen auf. Ein Blick in die Geschichte hilft bei der Einschätzung.

Gelegenheiten für Anleger

Niemand kann die Folgen der Coronakrise vorhersagen. Börsencrashs waren in der Vergangenheit immer eine exzellente Gelegenheit für Anleger. Das zeigt auch eine Auswertung von Bernd Klöckner, Professor für Finance an der Internationalen Hochschule IUBH Berlin. Wer regelmäßig über Fondssparpläne in die Aktienmärkte investiert, macht es genau richtig. „Im Moment der Krise der fühlt sich das immer dramatisch an. So auch aktuell. Die Kapitalmärkte haben bisher alle Krise und beide Weltkriege überstanden und sind daraus gestärkt hervorgegangen“, sagt Klöckner. 

Fondssparer profitieren von Schwankungen

Bei fast allen Abwärtsbewegungen hatten Investoren in wenigen Jahren ihr Geld wieder. So auch bei der Finanzkrise: Im September 2008 zum Zeitpunkt der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers dauerte es etwa 25 Monate bis die Börsen wieder das alte Kursniveau erreichten. Von früheren Hochs im Mai 2008 brauchten Investoren 52 Monate Geduld, um Verluste auszugleichen. Wer beim damaligen Börsenhöchststand die erste Rate für einen Sparplan auf den US-Aktienindex Dow Jones Industrials überwiesen hätte und bis zum Wiederreichen der alten Niveaus am Ball geblieben wäre, erzielte in dieser Zeit etwa 8 Prozent Plus pro Jahr.

Schwankungen an der Börse

Fondssparer profitieren stark von den Schwankungen an den Börsen. Das liegt am Cost-Average-Effekt: Anleger erwerben für den gleichen Geldbetrag mehr Fondsanteile, wenn die Kurse sinken und weniger, wenn die Kurse steigen. „Disziplinierte Anleger sind seit jeher für das Durchhalten in solchen Phasen mit guten Renditen belohnt worden“, betont Klöckner.

Für jeder Börsenkrise hat Klöckner errechnet, wie es Sparplananlegern ergangen wäre, die zum schlechtesten Zeitpunkt, also einen Tag vor dem Crash die erste Rate für einen Sparplan auf ein Indexinvestment überwiesen hätten und solange weiterhin regelmäßig einen gleich hohen Betrag in den Markt investiert hätten, bis das alte Kursniveau wieder erreicht wurde.

Nachkriegsdepression

Der erste Weltkrieg endete am 11. November 1918. Der Dow Jones Industrials hatte erst beim Kriegseintritt der USA im Jahr 1916 mit einer Baisse reagiert und begrüßte den Sieg der Amerikaner zunächst mit steigenden Kursen. Doch Ende 1919 ging es schon wieder abwärts. Die Nachkriegsdepression mit fehlendem Wirtschaftswachstum und hoher Arbeitslosigkeit kostete Anleger bis Juni 1921 etwa 40 Prozent. Anleger, die damals zu Höchstkursen von etwa 114 Punkten in den Dow Jones eingestiegen waren, brauchten 56 Monate um ihre Verluste wieder wettzumachen. Sparplananleger, die über diesen Zeitraum monatlich immer wieder denselben Betrag investiert hätten, wären auf 18 Prozent Plus per annum gekommen.

Längste Baisse der Geschichte

Als schlimmste Börsenkrise der Geschichte gilt bis heute der Crash vom Oktober 1929. Immer mehr Amerikaner hatten nach den goldenen 1920-er Jahren an der Wall Street Aktien gekauft. Der Dow Jones Industrials war von 100 auf fast 400 Punkte gestiegen. Doch dann verlor der Index innerhalb von sechs Tagen 30 Prozent an Wert.
Der Abwärtstrend endete erst im Juni 1932 bei 41 Punkten. Anleger brauchten viel Geduld. Die alten Hochs erreichte der Dow erst wieder 1954 – 298 Monate oder 24 Jahre später. Dies war die längste Baisse der Börsengeschichte. Mit einem Sparplan hätten Anleger in diesem Zeitraum eine Rendite von 7 Prozent Plus pro Jahr erzielt.

Wall-Street-Crash als Chance

Viele Investoren können sich noch an den Schwarzen Freitag im Oktober 1987 erinnern. Die Wall Street verlor an einem einzigen Tag 500 Milliarden Dollar an Börsenwert. Eine Mixtur aus sinkendem Dollar, steigendem Ölpreis und höhere US-Zinsen löste den Crash aus. Für Sparplananleger war er eine Chance. Während Einmalinvestoren 26 Monate warten mussten, bis alte Kursniveaus wieder erreicht waren, rentierte ein monatlicher Sparplan auf den US-Aktienindex in diesem Zeitraum mit 23 Prozent pro Jahr. Noch bessere Ergebnisse konnten Investoren mit einem Indexinvestment auf den Dax erzielen: Der deutsche Aktienindex sank im Zuge der US-Aktienkrise ebenfalls von 1.500 auf 1.000 Punkte und erreichte seinen Höchststand erst wieder am 31. Juli 1989. Mit Dax-Sparplänen hätten Investoren in dieser Zeit 30 Prozent per annum verdient.

Globale Strategie mit Vorteilen

Ein vergleichbares Muster lässt sich bei Krisen an den Börsen in der Vergangenheit beobachten. Schon nach wenigen Jahren konnten Einmalinvestoren ihre Verluste wieder ausgleichen. Die Sparplanrenditen liegen zwischen sieben und 30 Prozent per annum, wenn Investoren zum Höhepunkt einstiegen und so lange durchhielten, bis nach einem Crash das alte Hoch wieder erreicht wurde.

Viele Anleger fürchten jetzt in der aktuellen Coronakrise, dass es Jahre oder Jahrzehnte dauern könnte, bis sich ihr Depot wieder erholen wird. Die Ängste sind zwar nachvollziehbar sind, doch bei näherem Hinsehen unbegründet: „Nachdem Sparpläne im Regelfall für längere Zeiträume ausgelegt sind, sollten momentanen Kursrückgänge nicht wirklich Panik oder Ängste auslösen“, betont Klöckner. Die durchschnittliche Rendite eines Dax-Sparplanes liegt seit 1970 zwischen 7 und 9 Prozent pro Jahr. Mit aktiv gemanagten Investmentfonds sind noch höhere Renditen möglich. Mit einer globalen Investmentstrategie lassen sich die Risiken noch besser streuen und Investmentchancen vergrößern.