Genossenschaften Studien Wirtschaft

Strukturwandel: Es wird eng im Stall

Strukturwandel
Zur Größe verdammt: Bäuerlichen Familienbetrieben droht das aus. Foto: Adobe Stock

Die Bundesregierung brachte im September ein Agrarpaket auf den Weg, das neben einem freiwilligen Tierwohllabel wesentliche Einschränkungen für die Nutzung von Unkraut- und Schädlingsgiften enthält. Dies führte ebenso wie eine neue Düngeverordnung zu öffentlichkeitswirksamen Protesten der Landwirte. Zwei dürre Sommer und Verbraucher, die nicht bereit sind, höhere Preise für hochwertige Lebensmittel zu zahlen, haben den wirtschaftlichen Druck für die Landwirte zudem merklich erhöht. Sie scheuen vor diesem Hintergrund auch notwendige Zukunftsinvestitionen. Maßnahmen dieser Art haben erheblichen Einfluss auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft, mit dem sich eine aktuelle Studie der DZ-Bank befasst.

Auch betriebswirtschaftlich hat sich die Landwirtschaft stark verändert, beschreibt die DZ-Bank-Studie. Der Landwirt ist zunehmend Unternehmer, der sich nicht nur mit neuen Marktanforderungen auseinandersetzen muss, sondern auch neuen, digital basierten Methoden. Neben technischen und klimatischen Veränderungen werden aber auch demografische Faktoren den Strukturwandel in der Landwirtschaft beschleunigen.

Anzahl der Betriebe sinkt

Bis 2040 dürfte die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von derzeit 267.000 auf nur noch rund 100.000 sinken – bei nahezu gleichbleibender bewirtschafteter Fläche. De durchschnittliche Betriebsgröße wird also deutlich zulegen.

Große Bedeutung haben nach wie vor die landwirtschaftlichen Genossenschaften. Über 400.000 Landwirte, Winzer, Waldbesitzer und Fischer sind Mitglied einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Die Raiffeisenorganisation erfasst jährlich etwa 15 Millionen Tonnen Getreide, 2 Millionen Tonnen Raps und über 1,8 Millionen Tonnen Kartoffeln. Das entspricht etwa der Hälfte der in Deutschland gehandelten Marktfrüchte für die weitere Veredelung. Davon werden landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von rund 4 Milliarden Euro exportiert; die addierten Umsätze lagen im Jahr 2018 bei rund 64 Milliarden Euro.

Einfluss globaler Agrarmärkte

Zunehmend gewinnen globale Agrarmärkte Einfluss auf die deutsche Landwirtschaft. Sie sorgen für eine gewisse Volatilität der Erzeugerpreise, die langfristig stagnieren und somit nicht mit der Entwicklung der Verbraucherpreise mithalten. Die landwirtschaftlichen Unternehmen reagieren auf diese Entwicklung mit immer größeren Betrieben und zunehmender Spezialisierung.

Angetrieben vom strukturellen Wandel, veränderten Ernährungsgewohnheiten und Umweltschutzbemühungen gewinnt die Ökolandwirtschaft immer mehr an Bedeutung. Wegen einer überdurchschnittlich steigenden Nachfrage nach ökologisch produzierten Lebensmitteln und höheren Margen sind die längerfristigen Aussichten für die Biolandwirte etwas besser als für die herkömmlichen Erzeuger. In der ökologischen Landwirtschaft bestehen auch noch die besten Chancen, das traditionelle Modell des bäuerlichen Familienbetriebs zu erhalten.