Regional VR-Bank

„Westliches Münsterland bietet breite Spanne an Unternehmen“

Düerkop
Starkes Team: Die Vorstände Berthold te Vrügt (v. l.), Matthias Entrup und Vorstandsvorsitzender Dr. Carsten Düerkop blicken optimistisch auf das laufende Jahr. Foto: Michalik

Am 1. April 2020 hatte der neue Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Westmünsterland, Dr. Carsten Düerkop, seinen ersten Arbeitstag. Wie der Start mitten in der Coronakrise gelang, und was die Krise für die Region, die Bank und die heimische Wirtschaft bedeuten könnte, darüber sprach er gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Matthias Entrup und Berthold te Vrügt mit Markus Michalak, Redaktionsleiter der Dülmener Zeitung.

Herr Dr. Düerkop, wie war Ihr Start als neuer Vorstandsvorsitzender einer großen Regionalbank im Zeitalter von Abstandsregeln und Kontaktsperren?

Carsten Düerkop: Auf jeden Fall anders als geplant! Vorstandskollegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Gremien der Bank haben mir den Start aber leicht gemacht. Sie alle haben sich darauf eingelassen, dass wir uns zum Teil nur über digitale Medien kennengelernt haben. Die offene Unternehmenskultur der VR-Bank bewährt sich dabei. Mit meinen Vorstandskollegen ging es um die Fragen: Wie gut können wir in dieser Krise bestehen? Wo sind wir gut aufgestellt, wo können wir besser werden? Wenn jetzt trotz dieser Bedingungen Geschäft und Prozesse weiter ordentlich laufen, ist das ein Zeichen für die innere Stärke des Unternehmens sowie seiner Mitglieder und Kunden. An den konkreten und zügig zu treffenden Entscheidungen durfte ich die VR-Bank sehr schnell und zielgerichtet kennenlernen. Auch wenn ich noch nicht alle unsere Filialen besucht und mich auch noch nicht mit wichtigen Geschäftspartnern treffen konnte. Das ist ein Wermutstropfen, muss ich sagen. Aber das holen wir so bald wie möglich nach.

Was hat Sie an der Position des Vorstandsvorsitzenden der VR-Bank Westmünsterland gereizt?

Carsten Düerkop: Das westliche Münsterland bietet eine breite Spanne an Unternehmen. Vorzeigbare Innovationen werden nicht nur in gehypten Großstädten entwickelt, sondern auch hier bei uns, hier zudem unterlegt mit erstklassiger Wohn- und Lebensqualität. Vom jungen IT-Start-up bis hin zu traditionell richtig gut positionierten landwirtschaftlichen Unternehmen ist wirklich alles vertreten. Und natürlich wusste ich, dass die VR-Bank Westmünsterland grundsolide aufgestellt ist, über exzellent ausgebildete Mitarbeiter verfügt und den Genossenschaftsgedanken lebt. Also fiel mir die Entscheidung nicht schwer.

Wie läuft denn das Bankgeschäft inklusive persönlicher Beratung überhaupt in der Pandemie?

Matthias Entrup: Die VR-Bank Westmünsterland hatte zum Glück schon vor der Krise wichtige Weichen richtig gestellt. Zum Beispiel in Sachen Digitalisierung: Da unsere Kunden unseren digitalen VRanzi-Service ja schon kannten, fiel es ihnen auch nicht schwer, sich zum Beispiel auf die Video-Beratung einzulassen. Für die persönliche Kredit- und Anlageberatung haben wir dann noch ein professionelles Video-Beratungstool dazugekauft. Und auch das hat sich bewährt. Aber natürlich bleibt die direkte Kommunikation enorm wichtig für uns. Wir waren nicht zufällig die ersten, die ihre Filialen wieder geöffnet haben, sobald das möglich war.

Herr Dr. Düerkop, wie wird die Wirtschaftswelt nach der Coronakrise aussehen?

Carsten Düerkop: Zunächst wird es erst einmal wichtig sein, die Wirtschaft in der Region gut durch die Krise zu bekommen. Die Art dieser Krisenbewältigung wird entscheidend sein für die Zeit nach der Akutphase, die für eine Weile sicher eine Welt mit Corona als Normalzustand sein wird. Hier habe Region erlebt, die sehr gut vernetzt ist. Politik, Verwaltungen und Unternehmen arbeiten in der Krise Hand in Hand. Auch die Menschen in der Region sind sich ihrer Verantwortung bezüglich des eigenen Beitrags zur Krisenbewältigung bewusst. Das ist ein sehr hoch einzuschätzender Faktor. Wir erleben schon jetzt aber auch Unternehmen, die sich bereits hinsichtlich ihrer Produkte und Prozesse auf die „neue Zeit“ einstellen. Wie werden künftig Lieferketten aufzustellen sein? Welchen Beitrag kann die Digitalisierung hierzu leisten? Übrigens: Meine Wahrnehmung ist, dass viele Unternehmen gerade jetzt froh sind, im Westmünsterland angesiedelt zu sein, weil diese Region gute Voraussetzungen hat, gut – vielleicht besser als andere – durch die Krise zu kommen.

Berthold te Vrügt: Diese neue Wirtschaftswelt wird tatsächlich eine andere sein. Der Weg aus der Krise, die ja eine Gesundheitskrise ist, wird durch die Kräfte und Aktivitäten in den einzelnen Regionen kommen. Mehr noch als bei vergangenen Krisen. Das erleben wir ja jetzt auch beim sogenannten „Wiederhochfahren“ nach dem Lockdown: Regional ist vieles schneller wieder möglich als bundesweit oder international. Funktionierende Regionen werden daher einen Vorteil haben. Es muss uns aber auch klar sein: Jeder Bürger, der sich jetzt dauerhaft an die Hygieneregeln hält, macht sich zum individuellen, regionalen Konjunkturpaket. Umso mehr, wenn er jetzt bei erfolgter Öffnung mit regionalem Fokus einkauft. Den Westmünsterländern ist das sehr bewusst.

Wie bewerten Sie die aufgelegten Förderprogramme und ihre Verfügbarkeit?

Matthias Entrup: Insgesamt hat die Politik hier gut reagiert, mit unterschiedlichen Fördertöpfen und auch mit Soforthilfen. Ich kann für unsere Bank sagen, dass wir nahezu 100 Prozent der gestellten Anträge fertig bearbeitet haben. Wir sprechen allein bei diesen Kreditprogrammen bei uns immerhin von 300 Krediten und von einem Betrag in Höhe von 63 Millionen Euro, mit denen die regionale Wirtschaft aktiv von der VR-Bank unterstützt worden ist.

Ihre Kunden und Mitglieder sind positive Abschlüsse gewohnt. Wird Ihnen manchmal mulmig, wenn Sie an die nächste Bilanz denken, die Sie präsentieren müssen?

Berthold te Vrügt: Dass wir uns derzeit in einer einzigartigen, so nicht vorhersehbaren Krise befinden, ist ja offensichtlich. Die Auswirkungen auf die weltweiten Märkte treffen alle. Das wird sich auch an der ein oder anderen Stelle auf unsere Geschäftsbereiche auswirken. Dennoch sind wir mit dem ersten Quartal 2020 zufrieden und blicken realistisch und optimistisch auf das weitere Jahr. Das westliche Münsterland ist schließlich eine gesunde Wirtschaftsregion. Die ansässigen Unternehmen werden weiter und gerade jetzt in ihre Zukunft investieren. Jetzt ist es für viele schwer und anspruchsvoll, aber die Chancen für die Region sind weiter sehr gut.

Herr Dr. Düerkop, das Fußballherz Ihres Vorgängers schlug schwarz-gelb, Ihre Bank kooperiert mit dem FC Schalke 04. Halten Sie zu einem Fußballverein?

Carsten Düerkop: Zunächst einmal bin ich wirklich sehr gerne auf Schalke. Ich mag den Teamgeist, der dort gelebt wird, ich schätze die Leidenschaft im und für den Verein. Privat halte ich aber aus alter Verbundenheit Borussia Mönchengladbach die Daumen. Ein Verein, der aus meiner Sicht durch harte Arbeit und ohne viel Showeffekte guten Erfolg hat.

VITA

Dr. Carsten Düerkop

Dr. Carsten Düerkop, 54, geboren in Hildesheim, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Nach Stationen bei der NordLB und der WGZ BANK AG war er seit 2014 als Vorstandsmitglied bei der WL BANK AG, Münster, tätig. Im Rahmen der Fusion der DG HYP AG, Hamburg, mit der WL BANK AG, Münster, wurde Düerkop zum Vorstandsmitglied der größten deutschen Immobilien- und Pfandbriefbank, der DZ HYP AG, Hamburg, bestellt.