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ZG Raiffeisen: Obstgarten Baden in Gefahr

ZG Raiffeisen
Obstgarten Baden: Das Klima an Rhein und Bodesee ist ideal für Sonderkulturen. Foto: Tommy Rau/Pixabay

Die anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen für die gesamte Agrarbranche spürt auch die ZG Raiffeisen. Zwar verzeichnet die Unternehmensgruppe für das vergangene Geschäftsjahr einen vierprozentigen Umsatzzuwachs auf 1.156 Milliarden Euro. Während sich jedoch einzelne Sparten, darunter besonders der Bereich Energie, auch ergebnisseitig hervorragend entwickelten, litt das Betriebsmittelgeschäft enorm. „Einkommensdruck und die scharfe gesellschaftspolitische Diskussion haben zu einer tiefen Verunsicherung in der Landwirtschaft geführt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Ewald Glaser bei der Bilanz-Pressekonferenz.

Die Landwirte reagierten mit Flächenreduzierungen bei Sonderkulturen und Investitionszurückhaltung, führte Glaser weiter aus. Er beobachtet die Entwicklung mit Sorge, was die Zukunft regionaler Agrarproduktion anbelangt: „Wenn die Trendwende nicht bald eingeleitet wird, sehen wir den Obst- und Gemüsegarten Baden in Gefahr.“ Glaser hofft, dass das im Kontext der Coronapandemie erwachende Bewusstsein für den Wert regionaler Erzeugnisse anhält und sich weiter verstärkt.

Digitalisierung der Arbeitsabläufe

Die Genossenschaft, die im Jahr 2019 2,7 Millionen Euro weniger mit dem Vertrieb von Phytomedizin, Saatgut und Spezialprodukten für den Obst- und Weinbau erwirtschaftete, will die 2018 begonnene Umstrukturierung des Betriebsmittelgeschäftes mit der klaren Zielsetzung einer weiteren Kostenreduzierung forcieren. „Dabei liegt die Herausforderung darin, die Leistungen für unsere Mitglieder nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern auszubauen“, so der Vorstandsvorsitzende. Man setze dabei verstärkt auf Digitalisierung der Arbeitsabläufe.

Nahezu alle Bereiche im Aufwind

Angesichts der teils sehr guten Entwicklungen in allen anderen Geschäftsbereichen behauptet sich die Unternehmensgruppe in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung gut. Dies gilt auch für die Agrar-Sparten Getreidevermarktung, Tiernahrung und Technik. Die ZG-Raiffeisen-Technik-Gruppe bleibt mit weiteren neuen Standorten auf Wachstumskurs und behauptete ihre Vertriebsstärke bei Traktoren.

Im Verbrauchergeschäft setzte sich der starke Aufwärtstrend fort. Die Bereiche Energie und Märkte wuchsen im Umsatz deutlich über dem Branchenschnitt. Die Märkte erzielten inklusive der französischen Trèfle-Vert-Standorte erstmals mehr als 100 Millionen Euro Umsatz. Vorstandsvorsitzender Glaser ist überzeugt, dass hier die konsequente Ausrichtung auf die regionale Herkunft zahlreicher Produkte zunehmend greift. Beim Geschäft mit Heizöl, Diesel und Tankstellenbetrieb gelang eine Ergebnisverdoppelung von 2,1 Mio. Euro im Jahr 2018 auf 4,2 Mio. Euro.

Hohe Pensionsrückstellungen

Dass das Jahresergebnis der Unternehmensgruppe für 2019 trotz zahlreicher positiver Entwicklungen bei lediglich 1,06 Millionen Euro liegt, ist maßgeblich auf einen Sondereffekt zurückzuführen. Das Unternehmen entrichtet nach der Einigung im Pflanzenschutz-Kartellverfahren eine Bußgeldzahlung von knapp 5 Millionen Euro an die zuständige Bundesbehörde, 4 Millionen Euro werden den Rücklagen der genossenschaftlichen Konzernmutter entnommen.

Auf die Auszahlung der Dividende wollen Vorstand und Aufsichtsrat verzichteten. Die Mitglieder müssen dem in der Generalversammlung am 26. Juni noch zustimmen. Leer ausgehen werden sie nicht. Wie Glaser berichtete, sind Warenrückvergütung und Verzinsung des Genussrechtskapitals ins Bilanzergebnis bereits eingerechnet.

Ins Geschäftsjahr 2020 gut gestartet

Im laufenden Geschäftsjahr wird die ZG Raiffeisen mit Investitionen etwas zurückhaltender sein – trotz eines sehr guten Starts in den ersten Monaten. Während andere Branchen durch die Coronapandemie komplett ausgebremst wurden, durften die ZG Raiffeisen-Niederlassungen als systemrelevante Bereiche geöffnet bleiben. „Wir konnten einen normalen Geschäftsverlauf gewährleisten, der durch den extremen Einsatz unserer Mitarbeiter und unser schon früh eingeleitetes Krisenmanagement abgesichert wurde“, berichtet der Vorstandvorsitzende.

Allerdings sie auch in diesem Jahr wegen relativer Trockenheit einmal mehr nur von einer unterdurchschnittlichen Ernte auszugehen. Und wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen infolge der Coronakrise weiterentwickeln, sei nicht abzusehen. „Das bislang erwirtschaftete Polster gibt uns da ein Stückweit Sicherheit“, betont Glaser.